Dienstag, 20. Februar 2018

[ #Vorarlberg ] Der Wiener "blutige Sonntag" (1911) im Spiegel der Vorarlberger Presse

Denkmal für die Opfer vom 17. Sept.1911
Am Sonntag, den 17. September 1911 schoss das Militär "Ihrer Majestät", des habsburgischen Kaisers Franz Josef I. auf demonstrierende Arbeiter und Arbeiterinnen in Wien.

Am 17. September 1911, an einem Sonntag, eröffnete das Militär "Ihrer Majestät Franz Joseph I." – Regierungschef war Baron Paul Gautsch von Frankenthurn – in Wien das Feuer auf Demonstranten. Laut Polizeibericht folgten 36.000, laut Veranstaltern 100.000 Teilnehmer u.a. den Reden des sozialdemokratischen Politikers Franz Schuhmeier.

Tote, Verwundete, Eingekerkerte. Außer den vier toten Arbeitern Otto Brötzenberger, Franz Joachimsthaler, Leopold Lechner und Franz Wögerbauer, gab es 149 Verletzte, mehr als 488 Personen wurden verhaftet und 283 zu schwerem Kerker verurteilt. Justizminister Viktor von Hochenburger hatte dafür die Schwurgerichte, die eigentlich für "politische Verbrechen" zuständig waren, ausgeschaltet und die Staatsanwälte angewiesen, hohe Strafanträge zu stellen. Dabei hatte die Arbeiter letzlich nur Hunger und Not auf die Straße getrieben.

Weiterungen. Am 5. Oktober 1911 gab es darüber eine parlamentarische Debatte im Wiener Reichsrat. Als Victor Adler, unter dem Tagesordnungspunkt "Teuerungsrevolte" Justizminister Hochenburger für die Eskalation der Ereignisse verantwortlich machte, fielen Schüsse, welche ihr Ziel, nämlich Hochenburger und den späteren Ministerpräsident Karl Stürgkh verfehlten. Der Schütze, der 20-jährige arbeitslose Tischlergeselle Nikola Njegos wurde überwältigt und zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt. Er starb während der Haft.

Am Ottakringer Friedhof erinnert ein von den Sozialdemokraten gestiftetes Denkmal an die Opfer der Teuerungsrevolte. Der sozialdemokratische Redner Franz Schuhmeier wurde am 11. Februar 1913 von Paul Kunschak, dem geistig verwirrten, arbeitslosen Bruder des Begründers der christlichen Arbeiterbewegung und späteren Nationalratspräsidenten Leopold Kunschak, in der Halle des Wiener Nordwestbahnhofs erschossen.

Vorarlberg. Die Teuerungsrevolte, der "Blutsonntag" führte auch im Vorarlberger Landtag zu heftigen Debatten und zu einer sehr unterschiedlichen Bewertung in den weltanschaulich gebundenen Zeitungen. In ihrer Mittwochausgabe berichteten das christlichsoziale "Vorarlberger Volksblatt" und das "Bregenzer Tagblatt", das "Deutsch-freisinnige Organ für das Land Vorarlberg", am folgenden Tag die sozialdemokratische "Vorarlberger Wacht" ausführlich über die Vorgänge in der Reichshauptstadt. Gemäß der politischen Ausrichtung der Zeitungen fiel die Berichterstattung unterschiedlich aus.

Eine Beitrag darüber von Dr. Werner Bundschuh "Die Wiener Septemberunruhen - der "blutige Sonntag" von 1911 im Spiegel der Vorarlberger Presse" in der Zeitschrift Montfort steht bei der Johann-August-Malin-Gesellschaft sowohl als eText als auch als durchsuchbares PDF online.

Malin-Gesellschaft. Die Johann-August-Malin-Gesellschaft widmet sich der Erforschung der Vorarlberger Zeitgeschichte, und hier besonders ihren lange vernachlässigten Themen wie Antisemitismus, Austrofaschismus und Nationalsozialismus. Sie bringt sich auch in öffentliche Debatten zu diesen Fragen ein. Die freundliche kostenfreie Online-Stellung ist ein Teil dieser auch sonst beachtenswerten Tätigkeit.


[Zeitreiseführer #Vorarlberg ]

Montag, 19. Februar 2018

[ #Rheintal ] Wiesenbrüterschutz in Vorarlberg: Großer Brachvogel, Uferschnepfe, Kiebitz und Bekassine

Projekt des Naturschutzbundes Vorarlberg und der Niederwildreviere Auer Ried, Lustenau, Dornbirn Nord und Süd, Lauterach und Wolfurt.

Überdurchschnittlich guten Bruterfolgen bei Kiebitz und Großem Brachvogel in den Jahren 2009 und 2010 lassen sich nur mit einem Zusammenspiel mehrerer, besonders günstiger Faktoren (Witterungsverlauf, Schwerpunktbejagung etc.; beim Kiebitz auch getroffene Schutzmaßnahmen, angebaute Kulturen, Art und Weise der Bewirtschaftung) erklären. Freilich dürfte die seit 2008 in Vorarlberg unter Füchsen und Dachsen grassierende Staupe ebenfalls einen wesentlichen Einfluss gehabt haben.

Folgt Bekassine Uferschnepfe?
So erfreulich diese Ergebnisse sind, so dramatisch ist die Situation bei der Bekassine, zu der auch die trockene Aprilwitterung der letzten Jahre beigetragen haben dürfte. Mit nur mehr vier Revieren in Vorarlberg war der Bestand im Jahr 2010 so gering wie nie zuvor. Nach der Uferschnepfe, die in Vorarlberg ausgestorben sein dürfte, droht nun der Bekassine dasselbe Schicksal. In den Bekassinen-Gebieten sind dringend Maßnahmen wie z.B. Wiedervernässungen und die Anlage von Flachteichen erforderlich, auf die die Bekassine erfahrungsgemäß rasch positiv reagiert.

[Zeitreiseführer #Vorarlberg ]

Sonntag, 18. Februar 2018

[ #Dornbirn ] Dornbirn Lexikon

Arbeiterturner vor dem Arbeiterheim in Dornbirn (Vorarlberger Hof)
In diesem Lexikon sind Informationen über Dornbirn gesammelt. 

Das Lexikon wird vom Stadtarchiv Dornbirn zur Verfügung gestellt, alle Texte und Bilder stehen unter einer freien CC-by-nc-sa Lizenz. Diese ermöglicht es Ihnen, die Inhalte des Lexikons frei zu nutzen, solange die Autoren dabei genannt werden, die Verwendung nicht kommerziell erfolgt und Ihr Werk ebenfalls unter dieser Lizenz weitergegeben wird.

Das findet man:

1. Geschichte Dornbirns
Wichtige Daten zur Stadtgeschichte
Ur- und Frühgeschichte
Mittelalter
Neuzeit
Zeitgeschichte
Burgen
Die Dornbirner Bürgermeister seit der Stadterhebung
Dornbirner Familienbuch
Alte Gewichte u. Maße
Historischer Spaziergang

2. Gesellschaft und Geschichte
Gebräuche
Bevölkerung
Kultur
Vereine und Institutionen
Wirtschaft
Religionen

3. Geschichte in Straßen, Bauten, Umwelt
Ortsnamen
Stadtteile
Ortsteile
Bergparzellen
Straßen
Bauwerke
Berge
Alpen
Flüsse und Seen
Natur
Sehenswürdigkeiten

4. Geschichte von und durch Menschen: Personen
Bürger-Bauern-Originale
Dornbirner Personennamen
Dornbirner Geschlechter
Berufe
Kultur
Medizin
Politik
Religion
Sport
Wirtschaft und öffentliche Berufe
Opfer des Nationalsozialismus
Gefallene 1. Weltkrieg
Kriegsgefangene 1. Weltkrieg

[Zeitreiseführer #Vorarlberg ]

[ #Dornbirn ] Dornbirner Familienbuch: Dornbirner Genealogie ab 1500 online

Die Familien- oder Ahnenforschung ist in Dornbirn durch das Dornbirner Familienbuch sehr einfach.

In ihm sind alle Einwohner von ca. 1500 bis 1920 aufgeführt. Dieses Buch  ist zur Gänze elektronisch erfasst und über das Internet verfügbar. Dies sind knapp 10.000 Familien mit über 49.000 Personen. Voraussetzung für die Benutzung ist die Bestimmungen der CC-by-nc-sa-Lizenz zu aktzeptieren.


CC-by-nc-sa-Lizenz. Als Autor bedeutet diese Lizenz für Sie, dass Sie den Text der Allgemeinheit zur Verfügung stellen und keine - auch nicht nachträglichen - finanziellen Vergütungen für die Weiterverwendung beanspruchen können. Ihre Beiträge dürfen zwar ohne Ihre Zustimmung für nichtkommerzielle Zwecke verwendet werden, dabei muss aber zwingend Ihr Name als Urheber angegeben werden. Eine kommerzielle Nutzung Ihrer Beiträge ist grundsätzlich ausgeschlossen, es steht Ihnen aber frei, eine solche gesondert (auch mit eventuellen finanziellen Forderungen verbunden) zu erlauben.

 [Zeitreiseführer #Vorarlberg ]⇒

[ #Vorarlberg ] Ortsverzeichnis Vorarlberg


Besonders wertvoll sind die alphabetischen Verzeichnisse: Ortsverzeichnis, gegliedert nach Politischen Bezirken, Gerichtsbezirken und Gemeinden und der Siedlungsnamen. Bedeutsam natürlich auch die statistischen Daten dazu: Gebäude, Wohnungen, Haushalte, Einwohner, Nebenwohnsitze, Arbeitsstätten.

Volkszählung. Das Ortsverzeichnis von Österreich erscheint seit 1869 jeweils im Anschluss an Volkszählungen. Diese Publikation ist nicht nur nach Gemeinden sondern auch innerhalb jeder Gemeinde nach Ortschaften gegliedert Zusätzlich angeführt sind alle Siedlungsnamen die im Bereich einer Ortschaft liegen Eine Blattübersicht der Österreichischen Karte 1:50 000 und eine Gemeindegrenzkarte für das jeweilige Bundesland bilden den Anhang eines jeden der 9 Länderhefte.

Ortsverzeichnis. Wie bei früheren Ortsverzeichnissen wurde auch diesmal durch die Statistik Austria die Siedlungsgliederung in Zusammenarbeit mit den Gemeinden festgelegt Dabei wurde getrachtet, hinsichtlich des Namengutes eine möglichst weitgehende Übereinstimmung zwischen dem Ortsverzeichnis und der amtlichen Österreichischen Karte 1:50 000 des Bundesamtes für Eich- und Vermessungswesen zu erzielen.

Der Gebietsstand des vorliegenden Ortsverzeichnisses entspricht bezüglich der Politischen Bezirke, Gerichtsbezirke und Gemeinden jenem der Volkszählung vom 15. Mai 2001 und ist mit dem vom 1. Jänner 2001 identisch Hingegen wurden Änderungen im Siedlungsbestand und bei Siedlungsnamen bis Redaktionsschluss vorgenommen.

Das Werk gibt für die Verwaltungseinheiten sowie für Ortschaften und Zählsprengel die Zahl der Gebäude, Wohnungen, Haushalte, Einwohner, Nebenwohnsitzfälle (erstmalig), nichtlandwirtschaftlichen Arbeitsstätten sowie Land- und Forstwirtschaftlichen Betriebsstätten an

Die bis 1991 gebräuchlichen Ortschaftsbestandteile sind nur aufgelistet, es werden aber keine Daten mehr ausgewiesen Die Schreibweisen der Gemeindenamen sind gesetzlich festgelegt, jene der Ortschaften nur in einzelnen Bundesländern. Für Vorarlberg siehe dazu: "Vorarlberger Orts-, Flur-, Berg- und Flussnamen" .

[Zeitreiseführer #Vorarlberg ]⇒

INHALTSVERZEICHNIS:
TEXTTEIL
Erläuterungen, Begriffe und Definitionen  11
TABELLENTEIL
Landesübersicht  24
Ortsverzeichnis, gegliedert nach Politischen Bezirken, Gerichtsbezirken und Gemeinden  29
ALPHABETISCHE VERZEICHNISSE
Politische Bezirke, Gerichtsbezirke und Gemeinden  85
Siedlungsnamen 89
ANHANG
Änderungsverzeichnis
Änderungen in der Verwaltungsgliederung vom 15.5.1991 – 1.1.2001 107
Änderungen in der Verwaltungsgliederung vom 2.1.2001 – 1.1.2004 108
Karten
Karte der Gemeindegrenzen  111
Österreichische Karte 1:50.000 im Bundesmeldenetz Blattschnitt 112
Österreichische Karte 1:50.000 im UTM Blattschnitt 113
Gliederung Österreichs in NUTS-Einheiten 116

Donnerstag, 8. Februar 2018

[ #Vorarlberg ] Die austrofaschistische "Verfassung" vom 1. Mai 1934 und andere "Vorarlberg-Tage" ...

Bericht aus: Arbeiterzeitung 1.9.1926 (Zum Lesen anklicken!)
Die Verfassung Österreichs von 1934 - "ausgearbeitet" von dem Vorarlberger Otto Ender - trat formal zwar in Kraft, doch hat sie faktisch nie volle Geltung erlangt, da durch das Übergangsgesetz so viele zeitlich unbegrenzte Sonderregelungen getroffen wurden, dass es bei der austrofaschistischen Staatspraxis seit der Ausschaltung des Nationalrates am 4. März 1933 blieb, dass die Gesetzgebung von der Bundesregierung aufgrund des Kriegswirtschaftlichen Ermächtigungsgesetzes von 1917 und des damit auch verfassungswidrigen "Bundesverfassungsgesetzes" vom 1. Mai 1934 erfolgte.

Verfassung 1934. Am 1. Mai, dem traditionellen Festtag der Arbeiterbewegung, wird die austrofaschistische Verfassung verkündet. Eine autoritäre und vom Anspruch her ständische politische Struktur wird verfassungsgesetzlich festgeschrieben. Sie besiegelt den radikalen Bruch mit der nach dem Ende des Ersten Weltkriegs festgelegten parlamentarischen Demokratie.

Elf Jahre später: Der Spuk ist vorbei. Freilich: Die Verfassung ist mit der "Wiedervereinigung" Österreichs mit Deutschland faktisch außer Kraft getreten; sie ist deklaratorisch durch das Verfassungsüberleitungsgesetz vom 1. Mai 1945 - punktgenau 11 Jahre später - als nicht mehr geltend festgestellt worden, nachdem die österreichischen Parteien sich 1945 geeinigt hatten, die Verfassung von 1920 in der Fassung vom 4. März 1933 wieder in Wirkung zu setzen und so sowohl den von den Christlichsozialen betriebenen Umsturz von 1933/34 als auch die Okkupation Österreichs durch Nazi-Deutschland verfassungsrechtlich auszulöschen.

Maria Jahoda (geb. Wien, am 26. Januar 1907, gest. Keymer, West Sussex, am 28. April 2001 - Die Arbeitslosen von Marienthal), deren Todestag wir uns eben auch heute erinnern müssen, beschreibt in einem Protokoll für die Hamburger Wochenzeitung "Die ZEIT" 1999 diesen österreichischen Faschismus, der dem deutschen vorausgegangen war aus eigenem Gefängniserleben:
"Unter dem austrofaschistischen Regime waren die Wiener Gefängnisse nur Gefängnisse, keine KZ. Es gab keine physische Folter. Das schlimmste waren die hygienischen Zustände. Würmer in der Erbsensuppe, Wanzen zu Tausenden.
Der erste Tag war hart. Der zweite schon nicht mehr ganz so schlimm. Ich bin mir erst viel später bewusst geworden, wie sehr historische Ereignisse und Zufälle mein Leben bestimmt haben. Zu der Zeit habe ich mir immer vorgemacht, alles sei meine eigene Entscheidung, aber das ist eine Illusion. In Wirklichkeit ist der Zufall viel größer als der freie Willen. Die furchtbare Entscheidung, die ich treffen musste nach neun Monaten Gefängnis - entweder weiterhin Gefängnis oder sofortige Ausreise aus Österreich ohne meine Lotte -, war die beste in meinem ganzen Leben. Wir wissen alle, was die Nazis mit mir getan hätten."


[Zeitreiseführer #Vorarlberg ]

[ #Großes Walsertal ] Seelenkonskription: Walser Wehrbauern aus Damüls wehruntauglich

Schlacht bei Frastanz 1499
Eine kleine Kultur- und Bildgeschichte der Hausnummern liefert einen historisierenden und fotografischen Blick auf ein scheinbares Alltagsobjekt, das jedoch bei seiner Einführung so heftig umstritten war wie heute die digitale Erfassung der Bürger und veranlasst auch einen Blick auf Vorarlberg zu werfen.

Vorarlberg. In Vorarlberg wurde wie in Tirol und dem restlichen Vorderösterreich die Hausnummerierung 1767 durch Maria Theresia angeordnet und 1785 auch eingeführt. Ziel war auch hier die Konskription von Soldaten. Lange Zeit gelang es nämlich den Ständen, sich mit Geld der Stellung von Rekruten zu entziehen, bis Maria Theresia 1771 mit der so genannten "Konskription" die Anwerbung durch eine Aushebung ergänzen ließ. Jeder Wehrbezirk musste eine Anzahl wehrfähiger junge Männer stellen. Dazu wurden alle Männer zwischen 21 und 40 Jahren erfasst. Damit war mit der Seelenkonskription auch die Grundlage für die Hausnummerierung getan.

Walser Wehrbauern. Die Bregenzerwälder wehrten sich gegen die Seelenkonskription und Aushebung ihrer Bauernsöhne für den Kriegsdienst schon damals, eine Haltung die sich bis zu Jodok Fink herauf durchzieht. Die Gerichte nützten die Aushebungen wohl auch, um Arme und vermeintliche Taugenichtse zu "entsorgen", die Gemeindekasse also zu schonen.

Raffiniert und erfolgreich wehrten sich die Damülser. Das Vogteiamt Feldkirch bescheinigte nach der Musterung, dass "wegen der bergigen Lage und mehr als anderswo beschwerlichen Feldarbeit die Bewohner des Gerichtes Damüls (Anm. Walser) entweders die Leute durchaus zu klein oder kurzhalsig oder beschädigt an den Beinen seien, mithin zur Rekrutierung diensttaugliche Leute ein für alle mal nicht aufgebracht werden könnten". Die seinerzeit -  Grundlage dieser Walserkolonie bildet ein Vertrag für die "Allb Tamuls"aus den Jahren 1313/1326 - als Wehrbauern eingewanderten Walser beanspruchten also Degenerationserscheinungen für sich. Heute werben sie für ihre Gemeinde als "Mischung aus Kraft und Berglandschaft"!

Freilich lastete auf den "freien Walsern" eine schicksalshafte Erfahrung. Am 20. April 1499 fand die blutigste Schlacht in der Geschichte Vorarlbergs im Rahmen des Schwabenkrieges statt: Die Schlacht bei Frastanz. Hier kämpften die Schweizer gegen das kaiserliche Heer der Habsburger. Die freien Walser waren der habsburgischen Obrigkeit kriegspflichtig. 56 freie Walser wurden an einem Tag erschlagen oder ertranken in der Ill.

Dieser Schicksalsschlag veranlasste zumindest die Walser von Sonntag und zu Raggal schon 1508 ihre Freiheit wieder aufzugeben. Sie mussten fortan nicht mehr in den Krieg ziehen, waren aber wieder Leibeigene.

Seelenkonskription.  An manchen Gebäuden im seinerzeitigen Habsburgermonarchie sind heute noch Überreste vergangener Hausnummerierungen sichtbar, sie legen Zeugnis ab von den Mühen, die die Einführung und Wartung eines numerischen Adressierungssystems mit sich brachten. Die in dieser Online-Galerie versammelten Aufnahmen zeigen solche Überreste, ihr geographischer Schwerpunkt liegt auf Städten und Dörfern, die einst zum Herrschaftsbereich der Habsburgermonarchie gehörten. Dort wurde die Hausnummerierung in Zusammenhang mit der "Seelenkonskription" eingeführt, einer nicht zuletzt aus militärischen Gründen durchgeführten Volkszählung; die damals vergebenen Hausnummern wurden "Konskriptionsnummern" genannt. Seitenblicke sowohl in thematischer wie in geographischer Hinsicht sind gewollt.Ziel der Galerie ist es, die Historizität von Ordnung sinnlich erfahrbar zu machen; sie ist Nebenprodukt einer am Institut für Geschichte der Universität Wien fertiggestellten und von Univ. Prof. Dr. Edith Saurer und Univ. Prof. Dr. Karl Vocelka betreuten Dissertation mit dem Titel "Ordnung der Häuser, Beschreibung der Seelen - Hausnummerierung und Seelenkonskription in der Habsburgermonarchie".

[Zeitreiseführer #Vorarlberg ]⇒

Donnerstag, 1. Februar 2018

[ #Lustenau ] Geschichte des "Jazz in Vorarlberg"


[Free eBook] Eine empfehlenswerte Lektüre, nicht allein für Jazzinteressierte. Die Lektüre einer Diplomarbeit von Klaus Peter über den "Jazz in Vorarlberg" bietet eben auch allen Musikinteressierten, Vorarlbergensien-Fans und Historikern einen Einblick in eine Musikgeschichte einer (konkreten) Provinz.

Jazzclub Lustenau. Ein Beitrag als kostenloser Download auf der Website des Jazzclubs Lustenau, der lokale Musikgeschichte liefert und sie in einen notwendigen gesamtgesellschaftlichen Kontext stellt. Die Diplomarbeit von Klaus Peter über den Jazz in Vorarlberg leuchtet auch politische und gesellschaftliche Defizite im Lande aus. Ein "must für jedes (virtuelle) Vorarlberger Heimatbuch.



[Zeitreiseführer #Vorarlberg ]

[ #Hohenems ] Online: Die Geschichte der Juden in Hohenems und im übrigen Vorarlberg von Aron Tänzer


Die Goethe Universität in Frankfurt am Main hat in ihrer Online-Sammlung digitalisierter Drucke das 1905 erschienene Werk von Aron Tänzer "Die Geschichte der Juden in Hohenems und im übrigen Vorarlberg" 2012 online gestellt. Damit ist dieses Werk nun allen Interessierten auf einfache Art zugänglich und kann als PDF in die eigene Bibliothek einverleibt werden. 

Besonders schön ist die digitalisierte Ausgabe eines Exemplares der Robarts-University of Toronto auf Archive.org, das als "Flip-book" besonders attraktiv zu handhaben ist. Aron Tänzer hat dieses 850seitige Werk "in Liebe der israelitischen Kultusgemeinde in Hohenems gewidmet".

Aron Tänzer (* 30. Januar 1871 in Preßburg; † 26. Februar 1937 in Göppingen) war von 1896 bis 1905 Rabbiner in Hohenems. 1905 veröffentlichte er die heute noch als Standardwerk geltende "Geschichte der Juden in Hohenems" in zwei teilen. Das Werk wurde allerdings bereits in Meran verlegt, wo er ab 1905 als Rabbiner wirkte. Ab 1907 wirkte er in Göppingen, wo er sich auch besondere Verdienste um die Volksbildung erwarb.

[Zeitreiseführer #Vorarlberg ]

Lohnt sich ein Download? Ein Blick auf das Inhaltsverzeichnis sagt mehr: Die Geschichte der Juden in Tirol und Vorarlberg / Die Geschichte der Juden in Hohenems und im übrigen Vorarlberg, 1905

Vorwort
Inhaltsverzeichnis
Historische Einleitung

I. Teil. Die äusseren Rechtsverhältnisse
Erstes Kapitel. Ältere Nachrichten über Juden in Vorarlberg
Zweites Kapitel. Von der Einwanderung der Juden in Hohenems bis zu ihrer Vertreibung (1617-1676)
Drittes Kapitel. Von der Rückkehr der Juden nach Hohenems bis zum Beginn der Österreichischen Herrschaft (1688-1765)
Viertes Kapitel. Die Juden in Sulz (1676-1745)
Fünftes Kapitel. Die erste österreichische Regierungsperiode (1765-1805)
Sechstes Kapitel. Die bairische Regierungsperiode (1806-1814)
Siebentes Kapitel. Bis zum Beginn der politischen Israelitengemeinde (1814-1848)
Achtes Kapitel. Die politische Judengemeinde (1849-1878)
Neuntes Kapitel. Die israelitische Kultusgemeinde

II. Teil. Die inneren Verhältnisse
Zehntes Kapitel. Gemeindeverwaltung
Register
Elftes Kapitel. Handel und Gewerbe
Zwölftes Kapitel. Schule
Dreizehntes Kapitel. Rituelle Anstalten
Vierzehntes Kapitel. Rabbinat
Fünfzehntes Kapitel. Gemeindebeamte
Sechzehntes Kapitel. Vereine
Siebzehntes Kapitel. Stiftungen
Anhang
Achtzehntes Kapitel. Familienregister
Nachträge

Mittwoch, 31. Januar 2018

[ #Hohenems ] Gründungsurkunde der Hohenemser Fasnachtgesellschaft vom 12. Februar 1760


Das Vorarlberger Landesarchiv stellt als Archivale des Monats Februar 2010 ein interessantes Dokument vor.

Dass sich die Fasnacht auch in höheren Kreisen großer Beliebtheit erfreute, bezeugt eine Hohenemser Fasnachtsgesellschaft von 1760. Ihr gehörten zwei Priester und die Beamten der Reichsgrafschaft Hohenems an, auf die Österreich kurz zuvor Anspruch erhoben hatte. Sie legten das humorvolle Gründungsdokument in den Amtsakten ab. Die Herren beschlossen, da man 1759 den Kriegsgöttern so viel geopfert habe, dem fast vergessenen Freudengott Bacchus ein gebührendes Brandopfer darzubringen.

Anmerkung 1759: Im Gefecht von Maxen vom 20. November 1759 - eine Schlacht zwischen österreichischen und preußischen Truppen während des Siebenjährigen Krieges (1756–1763) - wurden die preußischen Truppen durch österreichische geschlagen. In diesem Gefecht trafen 32.000 Österreicher auf 15.000 preußische Truppen.Im Siebenjährigen Krieg (1756–1763), auch Dritter Schlesischer Krieg genannt, kämpften mit Preußen und Großbritannien/Kurhannover einerseits sowie Österreich, Frankreich und Russland andererseits alle europäischen Großmächte ihrer Zeit. An den Auseinandersetzungen waren weitere mittlere und kleine Staaten beteiligt. Der Krieg wurde in Mitteleuropa, Nordamerika, Indien, der Karibik sowie auf den Weltmeeren ausgefochten. Für Großbritannien und Frankreich ging es hierbei auch um die Herrschaft in Nordamerika und Indien.)

Dazu sollen sie sich am frühen Morgen des 13. Februar (Mittwoch vor dem gumpigen Donnerstag) nach Feldkirch begeben, um dort im Rathaus ein Fasnachtsspiel anzusehen. § 1 der Statuten verpflichtet alle, im Wirtshaus Krone einzukehren. Von dort sollen sie sich im direkten Weg zur Aufführung der Komödie begeben und danach sofort wieder in die Krone zurückkehren. § 2 verbietet den Mitgliedern der Gesellschaft, auf eigene Faust irgendwelche andere Besuche zu machen. § 3 bestimmt, dass Zuwiderhandlungen durch Zahlungen eine Fasnachtjause („fasnachts Merenda“) geahndet werden; der Aktuar hat dazu eine zusätzliche Dublone zu erlegen. § 4 besagt, dass niemand befugt ist, irgendetwas gegen den ausdrücklichen oder stillschweigenden Willen des Bundes zu unternehmen, unter welchem Vorwand auch immer das geschehen möge. Diese Statuten haben die Kraft eines Gesetzes und werden entsprechend publiziert und bestätigt.

[Zeitreiseführer #Vorarlberg ]⇒

Freitag, 26. Januar 2018

[ #Arlberg ] St. Christoph am Arlberg: Die Mär von der Bruderschaft

Die Geschichte von Hospiz und Taverne, Kapelle und Bruderschaft, von Brücken, Wegen und Straßen, Säumern, Wirten und anderen Menschen an einem Alpenpass (Ende des 14. bis Mitte des 17. Jahrhunderts) als kostenloses eBook.

St. Christoph. St. Christoph liegt direkt unterhalb des Arlbergpasses (1793 m über der Adria.) an der Grenze zu Vorarlberg, zwischen Vallugagruppe der Lechtaler Alpen und Kaltenberggruppe des Verwallgebirges. Das Dorf umfasst etwa 25 Gebäude und gehört zur Gemeinde St. Anton am Arlberg.

Die häufigsten Erwähnungen über St. Christoph am Arlberg sind im Wesentlichen eine Geschichte der dortigen Bruderschaft, ergänzt durch Beiträge zur Verkehrsgeschichte. Robert Büchner zeigt eine andere Geschichte, gestützt auf umfangreiches neues Quellenmaterial und rollt noch einmal die Geschichte des Hospizes und der Kapelle seit 1386 auf.

Marketing Bruderschaft. Danach muss das Bild korrigiert werden. Wichtigstes Ergebnis ist der Nachweis, dass die Bruderschaft zu St. Christoph reine Fiktion, eine Erfindung geschäftstüchtiger Almosensammler und Wirte war.

Aber nicht nur darüber ist zu lesen. Vor allem handelt das Buch von jenen Menschen, die am und vom Arlberg lebten oder ihn überquerten. Seit Ende des 15. Jahrhunderts bis in die Zeit Kaiser Josefs II. führte nur ein Saumweg über den Arlberg, und der Verkehr wurde von Säumern aus Vorarlberg und der Schweiz bestimmt, die Schmalz nach Innsbruck und Hall brachten und von dort Salz zurücktransportierten. Daneben kommen Wegmacher, Bergführer, Vieh- und Salzhändler, Bergleute, Wächter, Postboten, Soldaten, Pilger, Reisende, Kaufleute, Bettler, fahrendes Volk, Gesindel u. a. zu Wort. Für sie war der Arlberg einmal, gelegentlich, häufiger oder immer Station und Mittelpunkt ihres Lebens und sie hatten gelernt, sich an die raue Natur im Hochgebirge anzupassen, mit Nebel, Sturm, Eis, Schnee, Lawinen, Muren, Steinschlag, Felssturz, Hochwasser, Wetterumschwung zu leben.

Der Autor. Robert Büchner war Professor für Geschichte des Mittelalters und der frühen Neuzeit an der Universität Innsbruck und ist Spezialist für spätmittelalterliche Alltags- und Sozialgeschichte.

[Zeitreiseführer #Vorarlberg ]
Verortet in Reiter
[Zeitreiseführer #Vorarlberg ]
Link





 



 

 







Lohnt sich ein Download? Ein Blick auf den INHALT: 
Vorwort
Teil 1: DAS HOSPIZ
1. Die Alpen in mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Reiseberichten 3
2. Alpenpass und Hospiz 14
3. Der Arlberg, Heinrich Findelkind und die Gründung des Hospizes auf dem Arlberg (1386)  22
3.1 Der Verkehr über den Arlberg  22
3.2 Heinrich Findelkind und die Stiftung des Hospizes auf dem Arlberg 27
3.3 Die Hilfsrnaßnahmen zur Rettung von Reisenden 31
3.4 Die ersten Förderer Heinrich Findelkinds nach der Münchner
Totenliste    34
3.5 Ein angeblicher Hospizverein vor 1386  45
3.5.1 Wolhon Züllnhart  45
3.5.2 Fürst Johann 11. von Anhalt 47
3.5.3 Herr Johannes \Veissegradt  48
4.0 Die Almosensammler 50
4.1 Die Antoniter  51
4.2 Das St. Bernhard-Hospiz  53
4.3 Andere Kirchen, Klöster, Spitäler  55
4-4 St. Chnstoph auf dem Arlberg 56
4.4.1 Die Ablass- und Almosenbriefe  57
1-. t.2 Die Boten vom Arlberg und ihre Almosenfahrten  63
4.4.3 Spender und Spenden  69
4.4.1 Nachlassen der Spenden und Ende der Almosenfahrten 75
5 Heinrich Findelkind und Ulrich Moseck    83
6. Die "Bruderschaft" St. Christoph im 14. und 15. Jahrhundert  90
6.1 Bruderschaften allgemein   92
6.2 Bruderschaften in Tirol   93
6.3 Orden und Bruderschaft 95
6.4 Auf der Suche nach der mittelalterlichen Bruderschaft St. Chnstoph 96
6.4.1 Die Ablass- und Almosenbriefe  96
6.4.2 Der Begriff "Bruderschaft" in den Wappenbüchern 98
6.4.3 Der Tiroler Adel und St. Christoph auf dem Arlberg  102
6.4.4 Rudolfvon Lassberg und Jörg von Zwingenstein 107
6.4.5 Fehlende Organisation  111
6.4.6 Die angebliche Bruderschaftsfahne von 1406  113
7. Der Plan zur Errichtung eines Karmeliterklosters auf dem Arlberg (1404) 115
8. Die Wappenbücher vom Arlberg  119
8.1 Vigil Raber  119
8.2 Veit Graf vom Thurn und Freiherr zum Kreuz  121
8.3 Die Entstehung des Codex NLA und seine Vorlagen 124
8.3.1 Codex Figdor  125
8.3.2 Codex Wien  127
8.3.3 Codex München  129
8.3.4 Die verschollenen Vorlagen 131
9. Das Hospiz zu St. Christoph: Gebäude, Ausstattung, Gastlichkeit 134
Teil 2: KAPELLE UND TAVERNE, WEGE, STRASSEN, BRÜCKEN UND IHRE BENUTZER
1. Der Bau der Kapelle 141
2. Die Ausstattung der Kirche  146
3. Der Friedhof  149
4. Stephan Hofkircher und die Kaplanspfriinde von 1421  152
5. Die Kirchtage auf dem Arlberg  158
6. Die Taverne 160
7. Fahrstraße und Saumpfad, Wegzoll und Wegmachen   164
7.1 Die Fahrstraße über den Arlberg  165
7.2 Der Saumweg über den Arlberg  170
7.3 Die Fahrstraße durch das Tannheimer Tal und die Verbesserung der Straße über den Fernpass  173
7.4 Pläne zur Wiedererrichtung einer Fahrstraße über den Arlberg174
7.5 Schneebrechen und Bergführer    185
7.6 Lawinen und andere Naturkatastrophen  189
8. Warenverkehr  193
8.1 Viehhandel 199
9. Die Säumer  204
9.1 Salz gegen Schmalz 207
9.2 Weide und Heu, Verköstigung und Quartier 210
9.3 Unterbrechungen des Saumverkehrs  213
9.3.1 Seuchen  214
9.3.2 "Verschnibne" Säumer  217
9.4 Pfandungen 220
9.5 Abwege  223
9.6 Nebenbeschäftigung oder Hauptberuf    228
10. Bergleute 232
11. Soldaten     238
11.1 Befestigung und Kriegswachen 242
12. Seuchen und Sterbhut  246
13. Post  261
14. Fahrendes Volk, herrenloses Gesindel   271
14.1 Gartende Landsknechte   272
14.2 Falsche Pilger   273
14.3 Handwerker auf der Wanderschaft und Stör  275
14.4 Ausländische Hausierer   275
14.5 "Starke" und fremde Bettler 278
14.6 Zigeuner  280
Teil 3: DIE WIRTE
1. Wolfgang Zängerl
2. Ulrich Schweicker
2.1 Regulierung der Preise fur Speisen  289
3. Claus Linser    291
4. Adam Regenspurger und seine Konkurrenten 295
4.1 Ulrich Ärni 296
4.2 Anthoni Matt   297
4.3 Peter Rodt  299
4.4 Adam Regenspurger 300
5. Hans Weissenbach   302
6. Hans Gom    305
7. Hans Schueler    308
7.1 Der Pachtvertrag von 1581  309
7.2 Krankentransport  312
7.3 Wirt auf dem Arlberg  314
7.4 Wirt im tanzertal 316
7.4.1 Familie  316
7.4.2 Der Wirt und die Saumer  317
7.4.3 Grundbesitz und Landwirtschaft, Kredit und Handel 319
7.4.4 treitigkeiten und Prozesse. 324
7.4.5 Leben abend   333
8. Jonas Dietrich  337
8.1 Inventar der Fahrnis im Tal 339
8.2 Inventar der Fahrnls auf dem Arlberg  341
9. Christof Weißkopf 344
10. Cristan Krissimer   347
11. Crisostimus Amann     350
12. Oswald Hueber     353
13. Cristan Seeberger 355
13.1 Familie  356
13.2 Grundbesitz, Geschäfte, Schulden 357
13.3 Wirt auf dem Arlberg    361
14. Hans Fritz 367
15. Josua Zürcher  371
15.1 In Perfuchs (Landeck) 371
15.2 In Grins  372
15.3 Wieder in Landeck 375
15.4 Wirt auf dem Arlberg  376
15.5 In Graf    379
16. Bonifazius Schueler     383
17. Hans Amann  387
17.1 F1üchtlinge  388
17.2 Die Arlberg- oder St. Christophalpe (Alpstern)    389
18. Resumee und Vergleich    393
Teil 1: DIE BRUDERSCHAFT DES 16. UND 17. JAHRHUNDERTS
1. Die "Bauern"-Bruderschaft  409
2. Der Zugriff der Bruderschaft auf Kapelle und Gasthaus auf dem Arlberg 413
3. Die Gebäude von Wirtshaus und Kapelle zu St. Christoph im
17. Jahrhundert 425
4. Jacob Feuerstein und die Konfirmation der angeblich "uralten" Bruderschaft  427
4.1 Falsche Interpretationen, unterschlagene Dokumente  427
4.2 Erfindungen  433
4.3 Fälschungen  434
5. Die neue Bruderschaft   438
5.1 Statuten, Organisation, Mitglieder  438
5.2 Jacob Feuerstein  440
5.3 Das Ende  445
Zusammenfassung    447
ANHANG
1. Pfleger von Landeck 1377-1651
2. Richter von Landeck 1385-1670
3. Pfarrer von Zams 1379-1657   461
4. Wirte zu St. Christoph 1518-1659 462
5. Falkenbundmitglieder, die für St. Christoph spendeten 463
6. Abkürzungen und Sigeln  465


Mittwoch, 24. Januar 2018

[ #Dornbirn ] Ein "Moorsoldat" aus Vorarlberg: August Weiß (1921-2008)


Der Dornbirner Kriegsdienstverweigerer August Weiß kam in das KZ Esterwegen im Börgermoor.

August Weiß (1921-2008) wurde als Sohn des Kaminkehrers Karl Weiß und der Maria Weiß (geb. Feuerstein) in Dornbirn geboren. Er hatte vier Geschwister, und das Elternhaus war sehr katholisch. Die ökonomische Situation im Elternhaus ermöglichte dem hochbegabten Kind keinen weiterführenden Schulbesuch, so dass er nach der sechsjährigen Volksschulzeit ab 1936 bei der Textilfirma F.M. Hämmerle arbeiten musste.

Im Oktober 1939 wurde der junge Textilarbeiter August Weiß von der Firma F.M. Hämmerle entlassen und wenig später auf die Vermunt-Baustelle der Illwerke im Montafon dienstverpflichtet. Der 1,65 Meter große, schmächtige August musste dort Schwerarbeit leisten, und die menschenverachtende Behandlung der Zwangsarbeiter bestärkte ihn in seiner Ablehnung der deutschnationalen Ideologie und des Nazi-Regimes.


Ab Oktober 1940 musste er als "Dienstverpflichteter" seinen Reichsarbeitsdienst im Allgäu mit "unbestimmter Dienstzeit" ableisten. Im Februar 1941 wurde er zu den Gebirgsjägern in Salzburg eingezogen. Doch er blieb nicht lange in der Kaserne. Nach kurzer Zeit verließ der Pazifist die Truppe und begab sich nach Kärnten, mit der Absicht, nach Jugoslawien zu flüchten. An der Grenze wurde er gewarnt, dass die deutschen Truppen bald Jugoslawien überfallen würden. Deshalb fuhr er unter großen Schwierigkeiten im Zug zurück nach Vorarlberg. Seine Mutter riet ihm, sich zu stellen, doch August lehnte dies kategorisch ab, er wollte in die Schweiz. Seine Flucht endete bereits in Frastanz. In Zivil und ohne Papiere wurde er von einer Patrouille am 7. Februar verhaftet und in Salzburg inhaftiert. Für August Weiß war klar, dass er mit einem Todesurteil rechnen musste.

Am 27. März 1941 wurde August Weiß wegen Fahnenflucht vom "Feldgericht der Division 188" zu sechs Jahren Zuchthaus und "Verlust der Wehrwürdigkeit" verurteilt. Die Strafe wurde – wie im Gesetz vorgesehen – für die Dauer des Krieges ausgesetzt,] und August Weiß kam nach etlichen Aufenthalten in Polizeigefängnissen ins Soldaten-KZ Aschendorfer Moor bei Esterwegen, nahe der holländischen Grenze.

In diesem gefürchteten Emslandlager wurden 1200 bis 1500 Militärsträflinge gefangen gehalten. August Weiß musste die furchtbaren Lagerbedingungen am eigenen Leib erleiden: Schläge, Mißhandlungen, Erniedrigungen, hunger, und Schwerarbeit: „Pro Tag musste ich 13 Kubik Moor umarbeiten. Es war eine barbarische Arbeit", die er nur überlebt habe, „weil es unter den Häftlingen Solidarität gab."


[Zeitreiseführer #Vorarlberg ]