Mittwoch, 6. Dezember 2017

[ #Bregenzerwald ] Naturpark Nagelfluhkette

Der Naturpark Nagelfluhkette vereint alte Einheiten: Die Gemeinden aus dem südlichen Allgäu und dem vorderen Bregenzerwald.

Der Naturpark ist der erste grenzüberschreitende Naturpark zwischen Bayern und Österreich. Acht Gemeinden auf österreichischer Seite steuern jeweils ihre gesamte Fläche zum Naturpark bei: Hittisau (46,7 km²), Sibratsgfäll (29,3 km²), Sulzberg (23,1 km²), Riefensberg (14,9 km²), Doren (14,2 km²), Langenegg (10,5 km²), Krumbach (8,7 km²) und Lingenau (6,9 km²).

Nagelfluh. Die beteiligten Gemeinden sind um die den allseits bekannten Gebirgszug der Nagelfluhkette angeordnet. Er besteht nahezu vollständig aus unzähligen, unterschiedlich großen, aber immer mehr oder weniger runden Steinen, die zu einem Konglomerat, dem sogenannten Nagelfluh, zusammengepresst wurden. Höchster Punkt ist der Hochgrat, der mit 1.834m die umliegenden Täler um über 1.000m überragt.

Flora und Fauna. Der Naturpark ist die Heimat vieler seltener Tiere, z.B. für Auer- und Birkhuhn, oder für Steinadler und Weißrückenspecht. Pflanzenkenner können sich an Purpur-Enzian, Stein-Nelke oder an der stattlichen Weißtanne erfreuen.

Geologie. Das Nagelfluhgestein ist Teil der Molasse, einer von drei, räumlich voneinander getrennten, geologischen Einheiten, aus denen die Berge des Gebiets aufgebaut sind. Südlich der Molasse schließen sich die Flyschzone und die Kalkberge des Helvetikums an.  Am Hohem Ifen bestimmen große senkrechte Steilwände aus kreidezeitlichem Kalkstein die Szenerie. Sie gehören der geologischen Einheit „Helvetikum“ an, die nur etwa 8 Prozent der Naturparkfläche einnimmt. Das Relief wird durch den Wechsel von Schrattenkalkbänken, die für die Steilwände verantwortlich sind, und schiefrig mergeligen Schichten, den sogenannten Drusbergschichten, bestimmt.

Das Nagelfluhgestein ist Teil der Molasse, einer von drei, räumlich voneinander getrennten, geologischen Einheiten, aus denen die Berge des Gebiets aufgebaut sind. Südlich der Molasse schließen sich die Flyschzone und die Kalkberge des Helvetikums an.
An Besler (1.679 m) und Hohem Ifen bestimmen plötzlich große senkrechte Steilwände aus kreidezeitlichem Kalkstein die Szenerie. Sie gehören der geologischen Einheit „Helvetikum“ an, die nur etwa 8 % der Naturparkfläche einnimmt. Das Relief wird durch den Wechsel von Schrattenkalkbänken, die für die Steilwände verantwortlich sind, und schiefrig mergeligen Schichten, den sogenannten Drusbergschichten, bestimmt.
Während der Schrattenkalk bei der Verwitterung senkrechte Klüfte bildet („Karren“), in denen das Wasser ungehindert abfließt und so zu oberflächiger Trockenheit sowie zur Verkarstung führt, setzen die Drusbergschichten bei der Verwitterung ihre hohen Ton- und Mergelanteile frei und bilden wasserstauende Schichten aus. Diese werden alpwirtschaftlich genutzt. Schrattenkalk und Drusbergschichten sind vor etwa 120 bis 130 Millionen Jahren als Meeresablagerung in einem warmen Flachwasserbereich entstanden. Besonders der Schrattenkalk ist reich an Fossilien.
An Besler (1.679 m) und Hohem Ifen bestimmen plötzlich große senkrechte Steilwände aus kreidezeitlichem Kalkstein die Szenerie. Sie gehören der geologischen Einheit „Helvetikum“ an, die nur etwa 8 % der Naturparkfläche einnimmt. Das Relief wird durch den Wechsel von Schrattenkalkbänken, die für die Steilwände verantwortlich sind, und schiefrig mergeligen Schichten, den sogenannten Drusbergschichten, bestimmt.
Während der Schrattenkalk bei der Verwitterung senkrechte Klüfte bildet („Karren“), in denen das Wasser ungehindert abfließt und so zu oberflächiger Trockenheit sowie zur Verkarstung führt, setzen die Drusbergschichten bei der Verwitterung ihre hohen Ton- und Mergelanteile frei und bilden wasserstauende Schichten aus. Diese werden alpwirtschaftlich genutzt. Schrattenkalk und Drusbergschichten sind vor etwa 120 bis 130 Millionen Jahren als Meeresablagerung in einem warmen Flachwasserbereich entstanden. Besonders der Schrattenkalk ist reich an Fossilien.
An Besler (1.679 m) und Hohem Ifen bestimmen plötzlich große senkrechte Steilwände aus kreidezeitlichem Kalkstein die Szenerie. Sie gehören der geologischen Einheit „Helvetikum“ an, die nur etwa 8 % der Naturparkfläche einnimmt. Das Relief wird durch den Wechsel von Schrattenkalkbänken, die für die Steilwände verantwortlich sind, und schiefrig mergeligen Schichten, den sogenannten Drusbergschichten, bestimmt.
Während der Schrattenkalk bei der Verwitterung senkrechte Klüfte bildet („Karren“), in denen das Wasser ungehindert abfließt und so zu oberflächiger Trockenheit sowie zur Verkarstung führt, setzen die Drusbergschichten bei der Verwitterung ihre hohen Ton- und Mergelanteile frei und bilden wasserstauende Schichten aus. Diese werden alpwirtschaftlich genutzt. Schrattenkalk und Drusbergschichten sind vor etwa 120 bis 130 Millionen Jahren als Meeresablagerung in einem warmen Flachwasserbereich entstanden. Besonders der Schrattenkalk ist reich an Fossilien.
Alpwirtschaft. Die Nagelfluhkette ist eine alte, gewachsene Kulturlandschaft. Die Landwirtschaft stellt mit ca. 400 Haupterwerbsbetrieben einen wesentlichen Bestandteil des Naturparks dar. Das Braunvieh steht wie kein anderes Tier für die nachhaltige Bewirtschaftung der Wiesen und Bergflächen im Naturpark: Die robusten Tiere verbringen den ganzen Sommer auf den Alpen. Allein im Gemeindegebiet Oberstaufens gibt es hiervon 166! Die Alpdichte ist sowohl in Österreich als auch in Deutschland einmalig hoch.

Plenterwirtschaft. Neben der Alpwirtschaft prägt die Forstwirtschaft das Erscheinungsbild des Naturparks – standortgerecht und behutsam. Die Plenterwirtschaft, also das zielgerichtete Schlagen einzelner Bäume, sorgt für nachhaltige Bewirtschaftung des Waldes – und für ein vielfältiges Waldbild an den Berghängen. Nicht zuletzt erfüllt der Wald im Park eine wichtige Schutzfunktion gegen Lawinen und Geröllabgänge.

Tourismus. Seit nunmehr fast einem Jahrhundert ist der Tourismus neben der Land- und Forstwirtschaft eine der tragenden Säulen der Wirtschaft im Naturparkgebiet. In den 15 Naturpark-Gemeinden stehen nicht weniger als 20.000 Hotel-, Pensions- und Ferienwohnungsbetten bereit – statistisch gesehen haben also zwei Einwohner im Naturpark
jeweils ein Gästebett.

[Zeitreiseführer #Vorarlberg ]

Sonntag, 3. Dezember 2017

[ #Rankweil ] Die Rankweiler Dorfordnung von 1596

Dorfordnung von Rankweil vom 10. Januar 1596, betreffend die Nutzung des Gemeindegutes, die Gemeindefronen, die Bestellung der Geschworenen, das Nichteinhalten der Flur- und Weggrenzen, das Schließen der Gatter, die Deckung des Holzbedarfs der Bäcker, Färber, Gerber, die Nutzung der Maiengüter, die Wahl des Säckelmeisters, die Gültigkeit der Ordnung auch für die Rodsäumer. 

Im Anhang folgt eine Beschreibung der Grenzen zwischen Rankweil und Altenstadt von 1552.  

Den Ortschaften des Gerichts Rankweil-Sulz standen seit dem ausgehenden Mittelalter in den Urkunden aufscheinende Kollegialorgane vor, die aus einer von der Größe der Siedlung abhängigen Zahl so genannter „Geschworener“ bestanden. Den Rahmen für diese frühe Form der Gemeinde gaben aber nicht die einzelnen Dörfer ab, sondern in der Regel die Pfarren. Ihnen standen Kollegialorgane vor, die aus einer von der Größe der Siedlung abhängigen Zahl so genannter „Geschworener“ bestanden. In Rankweil beispielsweise amtierten sieben „Geschworene“ als „Siebener“. Außerdem gab es dort den „Achtzehner“. Der „Achtzehner“, war ein erweiterten Ausschuss, der vor allem über die Grenzen zwischen Eigentum und Gemeindebesitz zu richten hatte sowie auch über die Anbauordnung entschied.

Die Rankweiler Dorfordnung von 1596. Diese Gemeinden besaßen für den eigenen Zuständigkeitsbereich ein Satzungsrecht, das bedeutet die Gemeinden (meist identisch mit der Pfarre) können selbst Rechtsquellen schaffen. Zu dieser frühen Form des "Kommunalismus" zählt die „Dorfordnung“ welche der „Siebener“ und der „Achtzehner“ namens der Gemeinde Rankweil 1596 festsetzte. Das Satzungsrecht ist ein wichtiger Schritt zur Ablöse des Gewohnheitsrechtes. Sie bietet keine vollständige Kodifikation aller im örtlichen Bereich geltender Normen. Aufgezeichnet wurde vielmehr, was aufgrund von Veränderungen, von Unklarheiten notwendig erschien. Im Mittelpunkt der Rankweiler Ordnung standen die Nutzung der Gemeindewaldungen, die Schonung von Bannwäldern und bestimmter Baumarten, der Feldfluren und der Viehweiden sowie die Organisation des Gemeinwerks zur Erhaltung von Wegen und Wuhren.

In Rankweil, Sulz, Altenstadt, Götzis, Göfis oder Tisis amtierten jeweils sieben Geschworene als „Siebener“. Noch im 18. Jahrhundert hieß es, dass  in Rankweil, die Gemeinde vom Säckelmeister, fünf Geschworenen und zwei Bannwarten „dirigiert“werde.

Säckelmeister, Bannwart, Geschworene. Den Säckelwart kennen wir noch als "Kassier" aus verschiedenen Vereinsstatuten, die Geschworenen waren auf das Gemeinwohl vom Landamann vereidigt. Nach Ablauf der ein- oder zweijährigen Amtszeit hatten sie den neuen binnen zwei Monaten Rechnung zu legen.  Der Säckelmeister musste jährlich vom Siebener und Achtzehner Ausschuss neu bestellt werden. Gewählt wurden die Geschworenen von der „Gemeinde“, das waren aber nur die hausbesitzenden Männer.

Ein Bannwart  musste die ordnungsgemäße Flurnutzung überwachen und dafür Sorge tragen, dass nur die Allmendberechtigten ihr Vieh auf die Weide trieben. Unerlaubterweise weidende Tiere pfändete er und übergab sie dem Tavernwirt, der sie bis zur Erlegung einer Geldbuße im Pfandstall behielt.

Es war also keineswegs so demokratisch wie dies auf den ersten Blick erscheinen mag, aber immerhin eine Art Selbstverwaltung. Und auch die Macht war zeitlich begrenzt, wenngleich die ausscheidenden Geschworenen ein Vorschlagsrecht für die neuen hatten und damit ihre Interessen wohl zu tradieren wussten. Interessant wäre zu wissen, wie sich dieses frühe "Rotationsprinzip" denn auch auswirkte. Kein Zweifel kann aber auch darüber bestehen, dass diese Verwaltung auch sehr auf das eigene Gemeinwesen eingeschränkt und eingeengt war, dass es nicht nur Gemeinwesen organisierte sondern auch Trennung und  Ausschluss von der Gemeinschaft.


Allmende. Ein Sachverhalt, der sich in den Problemen mit den "Agrargemeinschaften in Vorarlberg bis in die heutigen Tage erhalten hat.  Rechtsanwalt Dr, Gottfried Waibel erläutert dazu:
"Die Allmende ermöglichte allen Gemeindebewohnern gemeinsam Güter land- bzw. forstwirtschaftlich zu nutzen (Gemeindegut). Diese Nutzung von Wald und Weide lässt sich bis in die voralemannische Zeit zurückverfolgen. Dabei waren alle Gemeindebewohner stets voll gleichberechtigt. Mit der Zunahme der Dorfbewohner und mit dem Aufkommen neuer Berufsgruppen neben dem traditionellen Bauernstand änderte sich dies. Der Anteil der sogenannten nutzungsberechtigten Gemeindebewohner nahm ab, der Anteil der „rechtlosen“ Gemeindebewohner nahm laufend zu. Nach dem zweiten Weltkrieg bis in die 80er Jahre verloren dann zahlreiche Gemeinden das Eigentum an neu gegründete Argrargemeinschaften." 
So hat die Agragemeinschaft Rankweil heute etwa 800 Mitglieder und die Marktgemeinde Rankweil ist mit  rd. 12.000 Einwohnern lediglich mit 22,75 Prozent daran beteiligt.

[Zeitreiseführer #Vorarlberg ]

[ #Andelsbuch ] Ein statistischer Blick auf die Gemeinde ANDELSBUCH in Vorarlberg - (GKZ 80202)

"Ein Blick auf die Gemeinde 80202 - ANDELSBUCH" ist eine regionale Information der Statistik Austria und bietet anhand von Tabellen und Grafiken einen durchgehenden Vergleich der gewählten Gemeinde Vorarlbergs mit dem politischen Bezirk bzw. dem Bundesland, in dem sie liegt.  

Ein unverzichtbarer Behelf für örtliche Gemeindefunktionäre. Insgesamt sind es 55 Datenblätter die in ihrer Gesamtheit kostenpflichtig sind. Acht der insgesamt 55 Datenblätter werden allerdings auch kostenlos online bereit gestellt. Zusätzlich zu diesen acht ausgewählten Blättern werden weitere wichtige Daten aus der Großzählung 2001 und zur Bevölkerungsentwicklung angeboten. Ein unverzichtbarer Behelf für örtliche Gemeindefunktionäre.

Gemeindekennziffer (GKZ) 80401 - ANDELSBUCH. Nach den Bestimmungen der österreichischen Bundesverfassung (Art. 115 bis 120) ist der Wirkungsbereich der Gemeinde ein eigener und ein vom Bund oder vom Land übertragener, das heißt, dass die Gemeinde sowohl eine Gebietskörperschaft mit dem Recht auf Selbstverwaltung und zugleich Verwaltungssprengel ist. Das Gemeindeverzeichnis bildet diese Verwaltungsgliederung ab. Es enthält alle Gemeinden Österreichs, der Gemeinde ist eine 5-stellige Gemeindekennziffer (GKZ) zugeordnet. Die Vergabe der Gemeindekennziffer obliegt Statistik Austria (Adressregisterverordnung – AdrRegV, BGBl. 218/2005, §1).

 [Zeitreiseführer #Vorarlberg ]⇒ 

  Ein Blick auf die Gemeinde

  Statistik des Bevölkerungsstandes gemäß §10 Abs. 7 Finanzausgleichsgesetz 2017

  Abgestimmte Erwerbsstatistik 31. Oktober 2015

  Registerzählung 31. Oktober 2011

  Aktuelle Bevölkerung und Bevölkerungsentwicklung

  Volkszählung 15. Mai 2001

  Gebäude- und Wohnungszählung 15. Mai 2001

  Arbeitsstättenzählung 15. Mai 2001

[ #Dornbirn ] Verein Arbeiterheim Dornbirn

[Free eBook] Zentrum der sozialdemokratischen Bildungsarbeit und zugleich "der wichtigste Kristallisationspunkt der Vorarlberger Sozialdemokratie, [wo] die Fäden der heimischen Arbeiterbewegung [zusammenliefen]" (Werner Bundschuh), war das Arbeiterheim in der Viehmarktstraße 3.

Im März 1919 von der Genossenschaft der "Vereinigten Schreiner" erworben, fungierte ein eigens hiezu gegründeter Verein als Erhalter. Hier tagten die Parteigremien, trafen sich die diversen sozialdemokratischen Vereine, Vorträge wurden gehalten, Schulungen von Parteijugend und Frauenfunktionärinnen durchgeführt sowie Feste gefeiert. Die 1924 angesuchte Schankkonzession ermöglichte die Verpflegung der zahlreichen BesucherInnen. Eine hauseigene Bibliothek stand zur Verfügung.

Nahe stehende Vereinigungen wie die Mietervereinigung Österreichs oder die Freigewerkschafter fanden ebenso Unterkunft wie die Redaktion der "Vorarlberger Wacht". Mitte der 20er Jahre wurde ein Turnsaal angebaut, da dem Arbeiter-Turnverein "Freiheit" von der Stadt die Benützung einer Schulturnhalle nicht erlaubt worden war.

Inhalt. Die Geschichte der Dornbirner Sozialdemokratie vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis in die 1990er Jahre im Spiegel des "Arbeiterheims".

Inhalt
Reinhard Mittersteiner:
"Ein roter Punkt in dem schwarzen Meere ringsum."
Am Beispiel des Vereins Arbeiterheim:
Die Anfänge sozialdemokratischer Milieukultur in Dornbirn
Werner Bundschuh
Das Dornbirner Arbeiterheim - ein sozialdemokratischer Dorn
im "bürgerlichen Fleisch"

Verlagsinformation. Werner Bundschuh / Reinhard Mittersteiner: Verein Arbeiterheim Dornbirn
Dornbirn: Stadtarchiv Dornbirn 1996 (Sonderdruck aus: Dornbirner Schriften Nr. 22), 132 Seiten, kt., 36 Abb.; zu beziehen über: Stadtarchiv Dornbirn, Marktplatz 11, A-6850 Dornbirn

Malin-Gesellschaft. Die Johann-August-Malin-Gesellschaft widmet sich der Erforschung der Vorarlberger Zeitgeschichte, und hier besonders ihren lange vernachlässigten Themen wie Antisemitismus, Austrofaschismus und Nationalsozialismus. Sie bringt sich auch in öffentliche Debatten zu diesen Fragen ein. Diese Publikation und ihre freundliche Online-Stellung ist ein Teil dieser Tätigkeit.


[Zeitreiseführer #Vorarlberg ]

Donnerstag, 30. November 2017

[ #Hohenems ] Hohenemser Sagen

Das vom Kulturkreis Hohenems verlegte Buch "Emser Sagen" (Josef Giesinger, 1980) ist leider vergriffen. 

Hohenems als Ort oder Objekt einer Sagenerzählung wird aber auch in einer Reihe anderer Vorarlberger Sagensammlungen erwähnt.

Sagen spielen im Grundschulunterricht häufig eine wichtige Rolle. 

Besonders in der vierten Schulstufe sollen solche Sagen nacherzählt werden und nicht selten wird fächerübergreifend bereits in der dirtten Klasse im "Hohenems-Sachunterricht" darauf eingegangen. Das ist schon für alle nicht in Hohenems und mit Emser Eltern aufgewachsenen Kindern schwer, insbesondere wenn Dialektausdrücke die Sage durchziehen. Noch schwerer ist es für Kinder die aus anderen Kulturkreisen kommen und diese Emser Geschichten nicht einordnen können.

Emser Sagen. Das vom Kulturkreis Hohenems verlegte Buch "Emser Sagen" (Josef Giesinger, 1980) ist leider vergriffen. Hohenems als Ort oder Objekt einer Sagenerzählung wird aber auch in einer Reihe anderer Vorarlberger Sagensammlungen erwähnt.


Bei Sagen.at stehen derzeit 49 "Hohenemser" Sagen online. Eine schnelle kostenlose Quelle für Interessierte aber auch für den Sach- und Deutschunterricht:
  1. Der Stier im Sünser See
  2. Der Konradsbrunnen in Hohenems
  3. Der Konradsbrunnen auf der Burg Alt-Ems
  4. Die Grafengruft in der Schloßkapelle von Alt-Ems
  5. Geister in der Emser Burgkapelle
  6. Das Wetterglöcklein auf Burg Ems
  7. Das geschnitzte Bild in der Kapelle von Buggenau
  8. Das 2 Uhr-Läuten in Hohenems
  9. Bergstürze bei Hohenems
  10. Der gefangene Schrättlig
  11. Die steinerne Säule
  12. Der Teufel im Strohhalm
  13. Sie grüßen ihn
  14. Ahasver in Hohenems 
  15. Die Messe in der heiligen Nacht
  16. Maschgern gehen
  17. Ins Josaphattal laden
  18. Teufelshexen
  19. Das versunkene Kloster
  20. Der fahrende Schüler
  21. Den Dieb bannen
  22. Bären, so fresset mich halt!
  23. Das Rheintal
  24. Die Arme aber wird gehängt
  25. Ein Heide wird lebendig begraben
  26. Hoaderfeld und Scheallabüchel
  27. Die Gefangenen Heidinnen auf dem Schloss Ems
  28. Schatzgeschichten von der Burg Ems
  29. Der Bau des Schlosses Neu-Embs auf dem Glopper 
  30. Das Bildstöcklein im Emser Galgen
  31. Rosa von Tannenburg
  32. Scheintot begraben
  33. Die Emser Zwingherren und der Hungerturm
  34. Der Goldsand
  35. Des Emser Tiergartens letzte Bewohner
  36. Der hl. Carl Borromäus in Ems
  37. Woher das Zweiuhrläuten kommt
  38. Das Kreuz im Schwefelkirchlein 
  39. Das Buggenauer Kirchli
  40. Die Wünschrute
  41. Die Glöcklein auf dem Glopper 
  42. 's Ambotta Bäbli schlägt einen Geist
  43. Im Palast 
  44. Auf dem Emser Schloß 
  45. Das Licht im Palast zu Ems 
  46. Ein alter Bauernbrauch
  47. Das Nachtvolk als Totenvolk
  48. Das Wehklag tötet und erweckt wieder zum Leben
  49. Wodan beschenkt die Guten und bestraft die Bösen
[Zeitreiseführer #Vorarlberg ]

Samstag, 25. November 2017

[ #Hard ] Vorarlberg: "The Making of Christmas Tree"

Protestantische Textil-Industrielle führten den Christbaum in Vorarlberg ein.

In der Zeitschrift "V-Dialog" für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Vorarlberger Landesverwaltung (Nr.3/Dezember 2007) berichtet Ulrich Nachbaur - Historiker des Vorarlberger Landesarchivs - über das "Making of Christmas tree" in Vorarlberg.

Verpackt in eine fast rührende Weihnachtsgeschichte.


Weihnachtsbaumstiftung in Hard. Das Harder Fabrikanten-Ehepaar Samuel und Henriette Schindler errichtete im März 1880 eine "Stiftung zum Andenken an Susanna Henriette Schindler" in Erinnerung an ihre 1875 mit zehn Jahren verstorbene Tochter. 

Als Kapital brachten sie einen mit 5 Prozent verzinsten Pfandbrief zu 1.000 Gulden (entspricht 2007 ca. 10.000 Euro) ein. Die Gemeinde Hard nahm die Stiftung dankend an. Im Stiftbrief ist genau bestimmt, was sie zu tun hatte: 

Jährlich am 25. Dezember war für die Kinder der untersten Klasse der Gemeindeschule eine Christbaumfeier auszurichten, zu der auch deren Eltern und andere erwachsene Angehörige Zutritt hatten. Die Hälfte des Zinsertrags war für den Baum und seinen Schmuck sowie für Lebkuchen und Obst für die Kinder zu verwenden; die andere Hälfte für ein kleines Kleidungsstück für jedes Kind. 
"Der Baum muß eine Rothtanne sein, von dichten großen Aesten und dichtem Nadelwerk, mindestens zwei und einhalb Meter hoch, mit starkem Kreuz versehen; die Lichter, farbige Wachskerzchen in zweckentsprechender Größe, nicht unter zehn Grammes Gewicht jedes Einzelne – nicht weniger als hundert zwanzig fünf solcher Kerzchen, welche nicht früher gelöscht werden dürfen, ehe sie am Weihnachtsabend selbst vollständig abgebrannt sind."
Religionskrieg. Im katholischen gegenreformatorischen Vorarlberg wurde der Weihnachtsbaum damit wohl von den vorwiegend protestantischen Industriellen eingeführt. Als in evangelischen Kreisen der Christbaum ins Brauchtum übernommen wurde, trat der Christbaum seinen Siegeszug an. 
Einer der ersten Christbäume in Vorarlberg wurde 1832 vom Feldkircher Fabrikantensohn Carl Ganahl verwendet. Seine Mutter war in jenem Jahr zum Nikolaus, dem damals üblichen Bescherungstag, gestorben, und er wollte deshalb die Bescherung für seine jüngeren Geschwister nachholen. Den Brauch hatte er wohl während seiner Lehrjahre im protestantischen Umfeld in der Schweiz kennengelernt.
Weihnachtsbaumreligion. Der Tannenbaum war der Weihnachtsbrauch der Protestanten, Nikolaus und Krippe dagegen der Katholiken. Dass der Reformator Luther auch noch Erfinder des Christbaums gewesen sein soll, ist allerding nur eine Legende. Da Tannenbäume in Mitteleuropa darüber hinaus selten waren, konnten sich diese zunächst nur die begüterten Schichten leisten, und die Stadtbevölkerung musste mit Zweigen und anfallendem Grün auskommen. Erst als ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vermehrt Tannen- und Fichtenwälder angelegt wurden, konnte der allgemeine Bedarf gedeckt werden.

Heute stehen sie also in friedlicher Eintracht nebeneinander. Früher wäre das undenkbar gewesen, denn viele Weihnachtsbräuche gehen auf den Kulturkampf zwischen Protestanten und Katholiken zurück. In Mode kam die geschmückte Tanne erst um 1800 als protestantischr Brauch. Die Katholiken spotteten damals noch über den evangelischen Tannenbaum und bezeichneten den Protestantismus sogar als "Weihnachtsbaumreligion". 

Gegen  Ende des 19. Jahrhunderts hielt der Christbaum auch in katholische Wohnzimmer Einzug. Entscheidend für seine Verbreitung war der deutsch-französische Krieg von 1870, als auf Anweisung der Heeresleitungen in den Schützengräben Weihnachtsbäume als Propaganda für die Heimat aufgestellt wurden. Der Weihnachtsbaum wurd Teil deutscher Propaganda und des Deutschtums.

Obwohl die katholische Kirche lange Zeit der Weihnachtskrippe den größeren Symbolgehalt zugemessen hatte, übernahm sie mit der Zeit auch den Brauch, einen Weihnachtsbaum aufzustellen. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts ist der Weihnachtsbaum auch in den katholischen Regionen Deutschlands und Österreich bezeugt. Heute sind unserere Weihnachtsbräuche eigentlich überkonfessionell, ja man kann sich ihnen weder als Nichtgläubiger noch als Andersgläubiger wirklich entziehen. So allgegenwärtig sind sie vom Kindrgarten bis zum Supermarkt. 

Wien - Washington - Brüssel. Der erste Weihnachtsbaum in Wien wurde 1814 von Fanny von Arnstein, einer aus Berlin stammenden angesehenen jüdischen Gesellschafts-Dame aufgestellt. 1891 wurde erstmals ein "Christmas tree" vor dem Weißen Haus in Washington aufgestellt.

In Österreich ist es seit dem EU-Beitritt Tradition geworden, einen österreichischer Nadelbaum vor dem EU-Parlament in Brüssel zum Adventbeginn aufzustellen. 

Ursprünglich wohl mehr eine Marketingaktion der niederösterreichischen Christbaumgärtner. Rund um den Christbaum hat sich mittlerweile ein kompletter Wirtschaftszweig herausgebildet. Viele Länder importieren tausende Bäume für den Heiligen Abend, während sie selbst Bäume exportieren. Für Österreich schätzt man einen jährlichen Bedarf von knapp über zwei Millionen Bäume.



Zeitreiseführer #Vorarlberg ]

[ #Vorarlberg ] Joseph Feßler: Der Vorarlberger Bischof von St.Pölten

DDr. Klaus Küng ist "nur" der zweite gebürtige Vorarlberger, der in der Geschichte der Diözese St. Pölten zum Bischof bestellt wurde. Aus Vorarlberg  stammte auch Dr. Josef Feßler, Bischof in St. Pölten von 1865 bis 1872.

Joseph Feßler  (* 2. Dezember 1813 in Lochau,  als  erstes Kind von Gebhard und Genoveva Feßler ; † 25. April 1872 in Sankt Pölten) war römisch-katholischer Theologe und Bischof von Sankt Pölten.war von 1865 bis 1872 Bischof von St. Pölten und zuvor Weihbischof seiner Heimatdiözese Feldkirch.

Geboren in Lochau bei Bregenz, trat er nach dem Schulbesuch in Feldkirch  (1824 bis 1830), Salzburg und Innsbruck 1833 in das Brixener Priesterseminar ein. Nach seiner Priesterweihe 1837 lehrte er als Dozent für Kirchengeschichte und Kirchenrecht in Brixen, studierte aber auch an der Weltpriesterbildungsanstalt Frintaneum in Wien.

Konservativer Politiker. 1848 wurde Feßler als Abgeordneter für den Wahlbezirk Bregenz in die Frankfurter Nationalversammlung gewählt. Reden hat er dort keine gehalten, angeblich weil sich alle anderen draum gedrängt hatten. Leo Haffner berichtet in seiem Aufsatz "Die Aufklärung und die Konservativen" (Ein Beitrag zur Geschichte der katholisch-konservativen Partei in Vorarlberg - Erschienen in: Nachträge. Zur neueren Vorarlberger Landesgeschichte. Hrsg. Von Meinrad Pichler, Fink's Verlag Bregenz 1983, S. 10-31) :
"Als Beispiel für die Spannungen zwischen führenden Vertretern der Kirche und Vorarlberger Demokraten mag der Hinweis auf eine Episode dienen: Bürger von Feldkirch, der Hochburg der Demokraten, waren über einen der Vorarlberger Delegierten im Frankfurter Parlament, den Theologen und späteren Bischof von St. Polten, Dr. Josef Feßler, "so aufgebracht, dass er auf der Heimreise, schon in Bregenz angelangt, nach Bayern zurückkehren musste, um über Imst ins Oberinntal und nach Innsbruck und Brixen zu gelangen". Er hatte sich, so Paula Geist in ihrer "Geschichte Vorarlbergs im Jahre 1848/49", "verdächtig gemacht durch die Art, in der er für alles stimmte, was reaktionär war und allem opponierte, was nur anscheinend in den Bereich des Fortschritts gehörte. ... Er stimmte gegen die Aufhebung des Adels, weil er nicht einsah, 'warum ein Graf oder ein Baron oder ein Herr von ... seinen Titel verlieren sollte, der niemand schade'. Er stimmte für die Todesstrafe, 'weil Gott nach der Lehre der heiligen Schrift den Obrigkeiten das Recht über Tod und Leben gegeben hat'. ... Er hat gegen die Wahrung des Briefgeheimnisses gestimmt, weil dieses Gesetz für Vorarlberg, wo solche 'Missbräuche' nicht herrschten, gar nicht in Betracht käme..." .
1852 wurde er als Professor für Kirchengeschichte an die Wiener Universität berufen. Er erwarb sich den Ruf eines Sachverständigen für die Unierte Kirche. Als Unierte Kirchen (offiziell Katholische Ostkirchen) werden jene Ostkirchen bezeichnet, die als Teilkirchen der römisch-katholischen Kirche unter dem Papst von Rom mit der Lateinischen Kirche in Glaubens-, Gebets- und Sakramentengemeinschaft stehen.  In der heftigen Diskussion um das Konkordat wandte er sich gegen die liberale Kritik und war auch später an den Verhandlungen um eine Revision des Konkordats beteiligt. Seine Position ist nicht unähnlich der heutigen: Er stand als konservativer Repräsentant des flachen Landes gegen die fortschrittsorientierten ökonomischen, kulturellen und sozialen  urbanen Entwicklungen.

Bischof von St. Pölten. 1862 wurde Joseph Feßler zum Weihbischof und Generalvikar der Diözese Feldkirch ernannt, zwei Jahre später erfolgte seine Ernennung zum Nachfolger des verstorbenen St. Pöltner Bischofs Ignaz Feigerle.  Am 30. April 1865 wurde er in St. Pölten inthronisiert. Während seines siebenjährigen Episkopats galt sein Wirken besonders dem Kampf gegen den Liberalismus und den liberalen Religionsgesetzen von 1868. Er erwarb 1869 für die katholische Kirche den "St. Pöltener Boten" als Sprachrohr gegen den Liberalismus und legte damit den Grundstein für die katholische niederrösterreichische Pressepolitik bis in die heutigen Tage, das Niederösterreichische Pressehaus.  In der Seelsorge in Niederösterreich war er aber so gut wie nicht tätig sondern kümmerte sich um die Belange der österreichischen und der Gesamtkirche.

Vaticanum I
Vatikanisches Konzil. Als ein (gemäßigter) Hauptvertreter des Unfehlbarkeitsdogmas in Österreich war er 1869/70 Generalsekretär des Vatikanischen Konzils. Das Erste Vatikanische Konzil (Vaticanum I vom   8. Dezember 1869 bis 20. Oktober 1870), das von der römisch-katholischen Kirche als das 20. Ökumenische Konzil angesehen wird, erhob die Lehre von der Unfehlbarkeit des Papstes „bei endgültigen Entscheidungen in Glaubens- und Sittenlehren“ definitiv zum Dogma.

Darüber führte er mit dem bedeutendsten  Kirchenrechtslehrer seines Jahrhunderts, Johann Friedrich (Ritter) von Schulte aus Prag,  einen wiederholenden Disput. Er konnte wohl als konservativer Repräsentant der katholischen Kirche die Abspaltung der Altkatholiken nicht wirksam begegnen, namentlich von Johann Friedrich (Ritter) von Schulte und  Johann Joseph Ignaz (Ritter) von Döllinger, obwohl sich gerade letzterer ständig gegen das Schisma wehrte und in der katholischen Kirche bleiben wollte, ja sich fortan um Ökumene bemühte. Diese Niederlage überrascht umso mehr, als es ihm ja umgekehrt gelungen war, Gegner des Dogmas unter den Bischöfen in Deutschland und  Österreich "umzudrehen". Offenbar war er hier weit weniger diplomatisch und unversöhnlicher, ließ eine weniger großzügige Interpretation zu als zu jener Zeit als man noch um die Mehrheit beim Vatikanischen Konzil bangen musste. Durch seinen frühen Tod im Alter von 59 Jahren fand sein kirchliches  und politisches Engagement gegen die Liberalen allerdings ein jähes Ende.

[Zeitreiseführer #Vorarlberg ]

Freitag, 24. November 2017

[ #Vorarlberg ] Geschichte des Naturschutzes in Vorarlberg

Die vorliegende und als PDF-Download zugängliche Arbeit "Geschichte des Naturschutzes in Vorarlberg. Eine Betrachtung aus ökologischer Sicht" ist ein Bericht, der im Auftrag des Vorarlberger Naturschutzrats erstellt wurde (Vorsitz: Univ.-Prof. Mag. Dr. Georg Grabherr, Recherche und Bearbeitung: Maria Aschauer, Redaktion: Markus Grabher, Ingrid Loacker).

ZUSAMMENFASSUNG. Er gibt einen Einblick in die Geschichte des Vorarlberger Naturschutzes, erhebt aber keinen Ansprch, eine umfassende und vollständige Darstellung zu sein. Im Landesarchiv lagern noch unberücksichtigte Akten. Nichtsdestotrotz ist die Darstellung sehr umfassend, Die Aktualität und Vollständigkeit begrenzt sich naturgemäß auch mit dem Veröffentlichungsdatum (7. Dezember 2007). Die Zusammenfassung (im Wesentlichen aus dem Bericht) gibt einen übersichtlichen zeitlichen und inhaltlichen Raster.

Anfänge. Die Anfänge des Naturschutzes in Vorarlberg nach dem Motto „Der Mensch muss die Natur vor dem Menschen schützen“ (Schwimmer 1950) fallen in die Zeit um 1900. Aber bereits davor existierten Bestimmungen, die zumindest eine gewisse Schonung der Natur zur Folge hatten. Sie entstanden allerdings überwiegend aus wirtschaftlichen Überlegungen und waren sozusagen ein „Nebenprodukt“ des Jagd-, Forst-, Landwirtschaft- und Fischereirechts. Bereits im 17. Jahrhundert wurde beispielsweise das Enziangraben geregelt, um das Vieh vor Verletzungen durch die beim Graben entstehenden Löcher zu schützen (Grabherr & Grabherr 1984).

Die ersten „echten“ Schutzbestimmungen beschäftigten sich vor allem mit der Erhaltung seltener Pflanzen, insbesondere dem Edelweiß, zu dessen Schutz 1904 ein Gesetz erlassen wurde. 1915 folgte ein Alpenpflanzenschutzgesetz, das 14 geschützte und drei schonungsbedürftige Arten behandelte. Trotzdem war in den 1920er Jahren „Pflanzenraub“ noch immer ein häufiger Verstoß gegen die Naturschutzbestimmungen. Nicht nur das Pflücken geschützter Pflanzen, sondern auch das Graben von Enzianwurzeln zur Schnapsproduktion beschäftigte Vorarlbergs Naturschützer weiterhin.

Das erste Vorarlberger Naturschutzgesetz. 1924 wurde die ehrenamtliche Vorarlberger Fachstelle für Naturschutz ins Leben gerufen und von Josef Blumrich bis 1936 geleitet. Die Hauptaufgabe bestand in der Entwicklung des ersten Vorarlberger Naturschutzgesetzes, das 1932 erlassen wurde. Kein Erfolg war Josef Blumrich hingegen bei der Ausarbeitung einer Tier- und Pflanzenschutzverordnung beschieden. Besonders der Schutz des Steinadlers löste heftige Diskussionen aus. Während sich Jagd und Fischerei vor allem gegen die Unterschutzstellung bestimmter Tierarten stellten, verhinderten Vertreter der Landwirtschaft die Ausweisung von Naturschutzgebieten. 1928 wurde ein Antrag auf die Schaffung von zwei Banngebieten – eines im Großen Walsertal und eines im Montafon – von der Bauernkammer abgelehnt. Es sollte noch bis 1942 dauern, bis im Rheindelta das erste Vorarlberger Naturschutzgebiet ausgewiesen wurde.

Nationalsozialistische Ära. 1939 erlangte das Deutsche Reichsnaturschutzgesetz, das für die damalige Zeit als vorbildlich galt, in Österreich Gültigkeit und blieb auch nach dem Ende des 2. Weltkriegs in allen österreichischen Bundesländern in Kraft. Während des 2. Weltkriegs wurde nicht nur das erste Vorarlberger Schutzgebiet im Rheindelta ausgewiesen, sondern mit der Seeuferschutzverordnung auch die Grundlage für die Freihaltung des Österreichischen Bodenseeufers geschaffen und ein 500 m breiter Streifen um alle Vorarlberger Seen vor landschaftlichen Veränderungen geschützt.

Vorarlberger Landesgesetzgebung. In Vorarlberg wurde es 1969 ergänzt durch eine Verschärfung der Strafbestimmungen, die Einführung der Naturwacht und der Regelung, die Vorarlberger Naturschau, das naturkundliche Museum Vorarlbergs, in allen naturschutzrelevanten Behördenverfahren zu hören.

Ab 1973 gab es zusätzlich zum Naturschutzgesetz ein Landschaftsschutzgesetz, das eine ganze Reihe von Vorhaben für bewilligungspflichtig erklärte. Mit einer Novellierung im Jahr 1981 wurde erstmals in Österreich ein Landschaftsschutzanwalt bestellt, der Vorarlberger Landschaftspflegefonds gegründet und der Schutz von Gletschern und Feuchtgebieten gesetzlich verankert, wobei der Schutz von „Flachmooren mit Ausnahme der Riede“ für einige Definitionsprobleme sorgte.

Eine weitere wichtige Bestimmung für die Raumplanung und den Landschaftsschutz stammt ebenfalls aus den 1970er Jahren: Mit der Verordnung der Landesgrünzone im Talraum des Rheintals und Walgaus wurden überörtliche Freiflächen festgelegt, die nicht mehr als Baugebiet gewidmet werden durften.

In den 1980er Jahren folgten das Biotopinventar, das die wertvollen Lebensräume Vorarlbergs erfasst, und Biotoppflegeprämien: 1980 wurden im Naturschutzgebiet Rheindelta erstmals „Entschädigungen“ für die naturschutzgerechte Bewirtschaftung von Streuwiesen an die Landwirtschaft bezahlt.

Die Verordnung über den Streuewiesenbiotopverbund Rheintal-Walgau aus dem Jahre 1990 war ein Meilenstein für den Naturschutz im intensiv genutzten Talraum.

Seit 1997 sind Naturschutz- und Landschaftsschutzgesetz zum Gesetz über Naturschutz und Landschaftsentwicklung zusammengefasst. Mit diesem Gesetz wird jeder „zu Natur verträglichem Verhalten angehalten“.

EUropa. Mit der EU-Mitgliedschaft Österreichs wurden die Naturschutzbestimmungen der Europäischen Union für Vorarlberg wirksam. Insbesondere das Natura 2000-Regelwerk mit der Fauna-Flora-Habitatrichtlinie und der Vogelschutzrichtlinie beeinflusst heute maßgeblich den Naturschutz. Seit Jahrzehnten umstrittene Projekte wie die Bodensee-Schnellstraße S 18 wurden dadurch unmöglich. Zugleich mussten zusätzliche Schutzgebiete eingerichtet werden.

Folgen und Wirkung. In Vorarlberg sind aktuell 455 km² (rund 17 % der Landesfläche) als Schutzgebiete ausgewiesen.

Vor allem für die ersten Vorarlberger Schutzgebiete waren nicht immer naturschutzfachliche Kriterien entscheidend. So wurde der Schlosshügel zum Naturschutzgebiet, um ein Pop- und Lyrikfestival zu verhindern. Der geschützte Landschaftsteil Rellstal-Lünerseegebiet sollte den Abbau von Gips unterbinden.

Die Ausweisung von Schutzgebieten konnte das Verschwinden gefährdeter Arten aber nicht immer verhindern. Das Moorwiesenvögelchen, eine seltene Schmetterlingsart, die noch in den 1990er Jahren in Bangs-Matschels vorkam, ist heute in Vorarlberg vermutlich ausgestorben. Auch in anderen geschützten Gebieten existieren ökologische Probleme, beispielsweise durch Veränderung des Wasserhaushaltes.

Aktuell gibt es in Vorarlberg 61 Schutzgebiete der Kategorien Pflanzenschutzgebiet, Geschützter Landschaftsteil, Landschaftsschutzgebiet, Örtliches Schutzgebiet, Naturschutzgebiet und Natura 2000-Gebiet. Darüber hinaus sind über 600 ha Streuwiesen im Talraum des Rheintals und Walgaus durch die Verordnung über den Streuewiesenbiotopverbund geschützt.

Vorarlberg ist das einzige Österreichische Bundesland, das Biosphärenparks im Naturschutzgesetz als Schutzgebietskategorie vorsieht – der Biosphärenpark Großes Walsertal existiert seit 2000. Etliche andere Vorschläge für Schutzgebiete, darunter auch die Idee eines Nationalparks in den 1970er Jahren, konnten dagegen nicht verwirklicht werden.


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Inhalt
0. Zusammenfassung 4
1. Einleitung  6
2. Die Anfänge des Naturschutzes in Vorarlberg 7
3. Erste Pflanzenschutzbestimmungen 10
4. Das Pflanzenschutzplakat 1927 – die erste Öffentlichkeitskampagne im Vorarlberger
Naturschutz  15
5. Die Vorarlberger Fachstelle für Naturschutz  17
5.1. Die Aufgaben der Vorarlberger Fachstelle für Naturschutz - Beispiele aus
der Arbeit Josef Blumrichs.20
5.2. Der lange Weg zum ersten Vorarlberger Naturschutzgesetz.25
5.3. Der vergebliche Versuch einer Pflanzen- und Tierschutzverordnung30
6. Naturschutz vom 2. Weltkrieg bis in die 1960er Jahre  39
6.1. Das Reichsnaturschutzgesetz.39
6.2. Seeuferschutz.41
6.3. Naturschutzgesetz 1969 .43
7. Entwicklung des Naturschutzes seit den 1970er Jahren  44
7.1. Das Vorarlberger Landschaftsschutzgesetz 44
7.2. Die Landesgrünzone.46
7.3. Aus dem amtlichen Naturschutz der 1970er Jahre47
7.4. Die zunehmende Bedeutung der NGO´s .52
7.5. Naturschutz im Amt der Vorarlberger Landesregierung53
7.6. Biotopinventar und Biotoppflegeprämien seit den 1980er Jahren54
7.7. Gesetz über Naturschutz und Landschaftsentwicklung 1997 57
7.8. Der Vorarlberger Naturschutzrat .58
7.9. Naturschutz und Europäische Gemeinschaft 59
8. Naturschutzgebiete in Vorarlberg 60
8.1. Entwässerung statt Schutzgebiet – die Zerstörung des Feldmooses .60
8.2. Antrag für Banngebiete in den 1920er Jahren .62
8.2.1. Schutzgebietsantrag durch Siegfried Fussenegger 62
8.2.2. Enziangraben im geplanten Schutzgebiet65
8.3. Schutzgebietsplanungen67
8.4. Vorarlbergs Schutzgebiete im Überblick73
8.4.1. Pflanzenschutzgebiete  73
8.4.2. Landschaftsschutzschutzgebiete  75
8.4.3. Naturschutzgebiete76
8.4.4. Streuewiesenbiotopverbund. 76
8.4.5. Biosphärenpark Großes Walsertal 78
8.4.6. Natura 2000  78
8.4.7. Schutzgebietsstatistik  82
9. Geschichte der Vorarlberger Schutzgebiete anhand von fünf Beispielen 83
9.1. Rheindelta 85
9.1.1. Der Einfluss des Menschen auf die Landschaft 86
9.1.2. Das Rheindelta und der Naturschutz  95
9.2. Mehrerauer Seeufer und Bregenzerachmündung  107
9.3. Schlosshügel in Koblach. 118
9.4. Bangs-Matschels 123
9.5. Rellstal 132
10. Die Vorarlberger Naturschutzgeschichte im Überblick - eine Zeittafel 144
10.1. Die Entwicklung des Naturschutzes in Vorarlberg 144
10.2. Vorarlberger Naturschutzgebiete  147
11. Ausgewählte Biografien historischer Naturschutzpersönlichkeiten  153
11.1. Johann Schwimmer 153
11.2. Josef Blumrich154
11.3. Josef Henrich  155
11.4. Siegried Fussenegger  156
11.5. Walter Krieg 157
12. Unterlagen und Literatur158

Mittwoch, 22. November 2017

[ #Bregenz ] In monasterio Prigantino: Ältestes Vorarlberger St. Nikolaus-Patrozinium in Bregenz (1172)

Schiedsspruch 1172 © VLA
1172 wurde eine St.-Nikolaus-Kapelle in Bregenz Mehrerau zugespochen. Dieser Schiedsspruch ist das älteste schriftliche Zeugnis für die Verehrung des hl. Nikolaus in Vorarlberg.

Die monatlichen Kleinausstellungen von Archivalien des Vorarlberger Landesarchives sind ein Beitrag zu einem "Online-Gedächtsnis" Vorarlbergs. Monat für Monat wird aus den Archivbeständen des Vorarlberger Landesarchives ein "Fundstück" präsentiert, wobei sichtlich möglichst ein aktueller Bezug hergestellt wird.

In monasterio Prigantino. Im Dezmber 2012 wird eine Urkunde eines Schiedsspruches vorgestellt: Unter Vorsitz des Bischofs Otto von Konstanz wird in Gegenwart vieler Laien und Kleriker wird 1172 "in monasterio Prigantino" also im Kloster in Bregenz, dem Kloster Bregenz durch Richterspruch die Nikolauskapelle an der Nordseite der Mutterpfarre Bregenz zugesprochen, welche der Leutepriester Eberhard für sich beanspruchte. Vier Mitglieder des Konstanzer Domkapitels waren ebenfalls anwesend, sogar der Stellvertreter (Vicedominus). Die Rechtssprechung scheint offenbar als eine Gemeinschaftsaufgabe des Domkapitels im Sinne einer Chorgerichtsbarkeit wahrgenommen worden sein.

Neben der ersten Erwähnung eines Nikolaus-Patroziniums in Vorarlberg wäre eben wohl auch der damit dokumentierte frühe Interessenskonflikt zwischen mächtigem Kloster und einfachem Leutepriester, bzw. Kloster und Stadtkirche interessant.

Univ.-Prof. Dr. Alois Niederstätter stellt die Archivalie folgendermaßen vor:
"Im Jahr 1172 kam im Kloster Mehrerau eine illustre Runde zusammen, um einen Streit zu schlichten. Den Vorsitz führte Bischof Otto von Konstanz, ihm zur Seite standen Domherren, Archidiakone, der Abt von Kreuzlingen, weitere Geistliche und eine Reihe von Adeligen. Es ging um die Verfügungsgewalt der hier erstmals urkundlich genannten, an der Nordseite der Bregenzer St. Gallus-Pfarrkirche bestehenden St.-Nikolaus-Kapelle, die der „Leutpriester“ (plebanus) Eberhard gemeinsam mit dem Zehnt für sich beanspruchte.
Nach langer Rede und Gegenrede wurden Kapelle und Zehnt der Mehrerau zugesprochen, allerdings sollten die Mönche in jedem dritten Jahr Gemüse und Wein mit Eberhard teilen.
Damit liegt das älteste Zeugnis für die Verehrung des hl. Nikolaus von Myra im heutigen Vorarlberg vor. Sein Kult stammt aus dem byzantinischen Raum, im 10. Jahrhundert gelangte er aus Italien in den deutschsprachigen Raum. Zu seiner Verbreitung trug vor allem bei, dass 1087 Seefahrer aus Bari die dem Heiligen zugeschriebenen Gebeine in Myra entwendeten und in ihre Heimatstadt brachten. Im Verlauf des Mittelalters benannte man nördlich der Alpen etwa 2200 Kirchen nach ihm.
Zunächst in erster Linie Patron der Seeleute und Händler, wurde der hl. Nikolaus nach und nach zum Helfer in allen Lebenslagen, seit dem 16. Jahrhundert ist er als Gabenbringer für die Kinder bezeugt."

Hl. Nikolaus, Kirchenfenster
Göfis, um 1230 © VLA
St. Nikolaus-Scheibe aus Göfis. Die 78 cm hohe und 34 cm breite Scheibe ist die einzige erhaltene romanische Glasmalerei in Vorarlberg und zählt zu den ältesten und besten in Österreich. Durch Stilvergleiche wird ihre Entstehung von Kunsthistorikern auf die Zeit nach 1200 angesetzt. Die Scheibe ist im unteren Teil vermutlich bei einer Renovierung beschnitten worden. Sie ist heute im Besitz des Landesmuseums.

Die Nikolausverehrung nahm zur Zeit der Kreuzzüge einen besonderen Aufschwung. Die Scheibe aus Göfis ist neben der erwähnten urkunde ein Beleg früher Nikolaus-Verehrung in Vorarlberg. St. Nikolaus galt als Patron der Reisenden. Der Heilige, durch den Namenszug im äußeren Bogenrand oben eindeutig identifiziert, hält in der linken Hand den Bischofsstab und erteilt mit der rechten den Segen. Die flächige, stilisierte Formgebung der Figur, unter Beigabe einfacher geometrischer Ordnungselemente mit feinen ornamentalen Auszierungen (besonders im hellen Hintergrundfeld) ist ein Merkmal der romanischen Glasmalerei.

Alois Niederstätter.
Leiter des Vorarlberger Landesarchivs und Universitätsdozent. Geb. 1955 in Bregenz, Studium der Geschichte und Germanistik in Salzburg, Dr. phil. 1980, Mitglied des Instituts für Österreichische Geschichtsfor­schung, Habilitation für Historische Hilfswissenschaften und alemannische Landesgeschichte, Gastprofessor in Innsbruck im Som­mersemester 1997 und im Sommersemester 2002; Forschungsschwerpunkte: zahlreiche Publikationen zur Geschichte des Mittelalters, insbesondere des Spätmittelalters, sowie zur Regionalgeschichte des Bodenseeraumes.

Ao.Univ.-Prof. Dr. Alois Niederstätter ist Lehrbeauftragter am Institut für Geschichtswissenschaften und Europäische Ethnologie der Universität Innsbruck. Lehrtätigkeit: Geschichte des Mittelalters, Vorarlberger Landesgeschichte, Historische Hilfswissenschaften.

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[ #Vorarlberg ] "Wenn du nicht brav bist, dann kommst du auf den Jagdberg“

Dass das "Erziehungsheim Jagdberg" in der Nachkriegszeit ein Ort des psychischen und physischen Terrors war, ist bekannt, ebenso wie damals jedem Kind die Drohung "Wenn ihr nicht brav seid, dann kommt ihr auf den Jagdberg“ in den Knochen steckte.  

Das pädagogische Konzept des Jagdberges legitimierte, alles mit den Kindern und Jugendlichen zu machen, besonders Erniedrigung, Gewalt, Psychoterror, Missbrauch usw.
"Zumindest in den ersten Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg übertraf die Anstaltserziehung alle anderen Erziehungshilfemaßnahmen – insbesondere die gelinderen – in Tirol ebenso wie in Vorarlberg."
Das System der Erziehungsheime hat gewaltvolle Erziehungspraktiken in all ihren Formen der körperlichen, psychischen und sexualisierten Gewalt erzeugt, toleriert und/oder war zu ihrer Verhinderung nicht willens oder nicht imstande. Machtstrukturen setzten Gewaltdynamiken
zwischen Erzieher/Erzieherin und ‚Zögling‘ aber auch zwischen den ‚Zöglingen‘ in Gang undhielten sie aufrecht.

Forschungsbericht. Ein umfangreicher Forschungsbericht entstand im Auftrag der Länder Tirol und Vorarlberg. Im Anschluss an die Präsentation und Evaluierung der Vorstudie (2012) wurde im Februar 2013 in gemeinsamer Verantwortung der Länder aus den darin vorgeschlagenen Projekten die „Studie zum Fürsorgeerziehungssystem Tirols und Vorarlbergs in der Zweiten Republik mit besonderer Schwerpunktsetzung auf die öffentliche Heimerziehung, die Landesheime und die Heimwirklichkeiten“ ausgewählt. Mit einer Laufzeit von 24 Monaten wurde das Projekt von 2013 bis 2015 am Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Innsbruck durchgeführt.

Schon früh, in den 1920er Jahren, hatten die beiden Länder ein Abkommen für eine wechselweise Übernahme der Fürsorgekinder in Heimerziehung geschlossen. Im Zentrum der Untersuchung stehen die zur Verwirklichung der Fürsorgeerziehung errichteten Landesfürsorgeerziehungsheime der Region in der Zweiten Republik: der Jagdberg für schulpflichtige Buben, Kramsach-Mariatal für schulpflichtige Mädchen, Kleinvolderberg für schulentlassene Buben und junge Männer, und wegen seiner strategischen Bedeutung mit einer eigenen Detailstudie: Sankt Martin in Schwaz für schulentlassene Mädchen und junge Frauen. Sie bilden zusammen ein mächtiges Panorama pädagogischer Sonderorte anstaltsförmiger Ersatzerziehung.


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Einleitung 11
Methodische und Methodologische Ausrichtung der Studie: Quellen und Auswertung 18
Die Jugendfürsorge bis 1938 49
Jugendfürsorge als Armenversorgung 49
Kinder- und Jugendfürsorge im Spannungsfeld von Hilfe und Kontrolle 52
Exkurs: Die Tiroler Landesbesserungsanstalten 59
Zunahme des Organisationsgrades in der Jugendfürsorge ab 1900 67
Der Erste Weltkrieg als Katalysator für die öffentliche Jugendfürsorge 75
Teilerfolge der Jugendfürsorgeverbände in der Ersten Republik 78
 Der Abbau der öffentlichen Jugendwohlfahrt im „christlichen Ständestaat“ 85
Jugendfürsorge unter neuen Vorzeichen nach dem „Anschluss“ 87
Die Jugendfürsorge in der NS-Zeit 88
Die Modernisierung der Jugendwohlfahrt im frühen 20. Jahrhundert 89
Rassehygienische und erbbiologische Diskurse in der Jugendfürsorge 90
Die Rechtsentwicklung in Deutschland ab 1922 und die Umgestaltung der Jugendfürsorge 93
EXKURS: Kindheit & Jugend in der NS-Zeit 94
Die Ausgestaltung der nationalsozialistischen Jugendfürsorge ab 1933/1938 97
Die Jugendfürsorge in Tirol und Vorarlberg nach dem ‚Anschluss‘ 1938 101
Die Erziehungsheime Tirols und Vorarlbergs in der NS-Zeit 105
Exkurs: Der Einfluss der rassebiologischen Psychiatrie 110
Die Heimordnung und Dienstanweisung für die Erziehungsheime des Reichsgaus Tirol und
Vorarlberg 114
„Es ist anzunehmen, dass er unter der Einwirkung der straffen Lagerzucht
im begrenzten Umfange wieder gemeinschaftsfähig wird.“ 118
Die Jugendfürsorge der II. Republik 135
Die Reorganisation der Verwaltungsstruktur 139
Das Ringen um ein neues Jugendfürsorgegesetz 150
Die Pathologisierung der österreichischen Nachkriegsjugend 158
Das Regime der Fürsorge 172
„ den Zöglingen…angelastet“ - Veruntreuung von Geldern in Kleinvolderberg 179
„ob hier durch eine Epiphysankur eine sexuelle Beruhigung erreicht werden kann.“
– Heimerziehung unter medikalem Vorzeichen 189
Die Erzieherausbildung 209
„Die Durchführbarkeit der Fürsorgeerziehung ist nicht gegeben“ –
Eine geglückte Widerstandsgeschichte 219
Reformbestrebungen und das Jugendwohlfahrtsgesetz von 1989 230
Landeserziehungsanstalt für schulpflichtige Buben –
der Jagdberg in Schlins 251
Der Beginn des Kinderrettungsgedankens in Vorarlberg 252
Das Asyl zur Rettung [sittlich] verwahrloster Kinder und Jugendlicher (1886-1939) 256
„Wir hatten Angst! Wir sind ja alle Kinder gewesen.“ 267
Gauerziehungsheim für schulpflichtige Buben (1940 -1945) 279
„Halt so ist es dort zugegangen, wie in einem Gefängnis.“ 290
Landeserziehungsanstalt für schulpflichtige Buben (1945-1976) 306
„Der Jagdberg ist für MICH ein Segen gewesen.“ 332
EXKURS: Gutachterin und Beraterin: Maria Nowak-Vogl und der Jagdberg 353
Landesjugendheim für schulpflichtige Buben (1976-1999) 358
„Sie dürfen nicht an meinen Schrank, nur ich habe das Recht dazu.“ 362
Vom Sozialpädagogischen Internat zur Paedakoop – der Jagdberg ab 1999 381
Das Landeserziehungsheim für schulentlassene Buben in Kleinvolderberg 391
Das Josefinum in Volders1886-1938 392
Das Gauerziehungsheim für schulpflichtige Mädchen in Kleinvolderberg 1939-1944 414
Das Landeserziehungsheim Kleinvolderberg 1945 bis 1990 425
„Da hast du so viele Stunden gearbeitet und dann ist kein Groschen da.“ 441
EXKURS: Von der „geschlossenen“ zur „offenen“ Heimerziehung männlicher Jugendlicher 475
Das Landeserziehungsheim für schulentlassene Mädchen – St. Martin in Schwaz 491
Vom Zwangsarbeitshaus zum Landeserziehungsheim (1826-1938) 491
Das Gauerziehungsheim St. Martin 505
St. Martin 1945 bis 1990 515
„Du bist von einer Gruppe in die andere befördert worden.“ 528
„Das war für mich entwürdigend.“ 551
 „Da habe ich gewusst, ich bin hier ausgeliefert...“ 566
Veränderungen ab den 1970er Jahren 582
„Eine Beschwerde nach der anderen, aber da ist nichts passiert.“ 591
Scheiternde Erneuerung der Heimstruktur und die Schließung des Erziehungsheims 600
Die Erziehungsanstalt Kramsach-Mariatal 613
Die Vorgeschichte bis 1945 617
Das Landeserziehungsheim 1946 bis 1971 630
„Ich habe Schläge bekommen, weil ich ihr keine Watsche gegeben habe.“ 636
Das „vergessene Kramsach“ 661
Anhang 673
Die konfessionellen Träger der Jugendfürsorge in Tirol und Vorarlberg 674
Bibliographie 715


Dienstag, 21. November 2017

[ #Feldkirch ] Die Eiszeit des Gasserplatzes in Göfis

Naturdenkmal Gletschertopf Göfis © Gemeinde Göfis
Im Rahmen der Bauarbeiten des Ambergtunnels wurde im Gemeindegebiet von Göfis ein Gletschertopf entdeckt.


Naturdenkmal Eiche in Göfis auf dem
Gasserplatz © Gemeinde Göfis
Naturschutzgebiet. Das Naturschutzgebiet Gasserplatz ist ein Feuchtgebiet, das von Wissenschaftlern als Flach- und Zwischenmoor ausgewiesen wird. Es bietet heute seltenen Moorpflanzen Lebensraum.

Der südliche Bereich des Gasserplatzes, der über die Landesstraße von Göfis-Hofen in Richtung Feldkirch erreicht werden kann, ist als Erholungsbereich zum Verweilen gestaltet.

Naturdenkmalbuch. Am nördlichen Waldrand des Gasserplatzesist eine Eiche in das Naturdenkmalbuch eingetragen. Mit einer Höhe von zirka 30 Metern, einem Umfang von rund 3,5 Metern und einem Alter von etwa 250 bis 300 Jahren erhält die Eiche somit den Schutz des Naturschutzgesetzes.

Hinrichtungsstätte. Auf dem Göfner Gasserplatz erfolgte im Jahr 1864 die letzte Hinrichtung. Von dem Delinquenten hat der Platz seinen heutigen Namen.

Vorzeit. Die Gesteine der heutigen Alpen wurden während der Trias und dem Jura an den Küsten des sog. Penninischen Ozeans abgelagert, der damals Afrika im Süden von Europa im Norden trennte. An den Küsten kam es zur Bildung von ausgedehnten Karbonatplattformen, die z.T. von großen Riffkomplexen gesäumt wurden. Durch die Bewegungen des Afrikanischen Kontinents nach Norden wurde der Ozean subduziert, die Kalksteine der Küsten deckenartig übereinandergeschoben (Kreide bis Miozän) und damit der neue Gebirgszug der Alpen "aufgetürmt".

Gletschertopf Gasserplatz - Naturschutzgebiet © Gemeinde Göfis
Eiszeit. In den Eiszeiten bildeten sich in diesem Gebirge große Gletscher, die sich tief in diese Decken einschnitten und die so die heutige Form der Alpen bildeten.

Vor 20.000 Jahren erreichten die Gletscher der letzten, der Würm-Eiszeit ihre grösste Ausdehnung. 2.000 Jahre später begannen der Rückzug. Vor 14.000 Jahren war das Rheintal bereits wieder eisfrei. An diese Kälteperiode erinnern unsere heutigen Gletscher. Auch sie sind ständigen Schwankungen unterworfen. Während der mittelalterlichen Warmzeit zwischen 900 und 1100 n.Chr. waren sie weit zurück geschmolzen. Ab 1570 führte kühleres Klima mit Neuschnee im Sommer bis unter 1000 Meter Seehöhe zu einem ersten Gletscherhochstand um 1640. Es folgten starke Schwankungen mit durchaus warmen Einzeljahren, bis zum letzten Maximum von 1850. Seither schmelzen die Gletscher rasch zurück.

Das Moorgebiet Gasserplatz befindet sich im Konfluenzbereich des eiszeitlichen Rhein- und Illgietschers und ist von ehemaligen Eisrandlagen der Schlussvereisung (Feldkircher Stadium) umgeben. An dieser Stelle entstand beim lokalen Abschmelzen des Illgletschers bereits im Ältesten Dryas ein kleiner See, der bis zum Beginn des Holozäns existierte und sich mit einer ungestörten Ablagerung von Seekreide (Kalkgyttja) füllte.

Die Schlussvereisung im Bereich Göfis - Gasserplatz und das Entstehen dieses Sees wurden untersucht. Die biostratigraphische Zonierung der feinlaminierten Seekreideablagerungen zeigt die Vegetationsgeschichte der direkten Umgebung und die lakustrische Entwicklung des spätglazialen Gasserplatz-Sees, wie mittels einer Pollen- und Makroreste-Analyse festgestellt werden konnte. Dünnschliffanalysen, geoelektrische Aufnahmen und zwei 14C-Altersbestimmungen ergänzen das Bild.


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