Freitag, 23. Juni 2017

[ #Walgau ] Feige Feldkircher, wundergläubige Bludenzer, lüsterne Montafoner, trogne Walser,...

Der Verfasser des Gedichtes ist nicht bekannt.

Dr. Manfred Tschaikner vom Vorarlberger Landesarchiv, bekannt für seine Hexenforschungen, hat ein Spottgedicht über die Vorarlberger Gemeinden des Oberlandes - immerhin fast die ganze südliche Hälfte des Bundeslandes Vorarlberg - aus dem Jahre 1670 "ausgegraben".

Spott aus Schlins. Feige Feldkircher, wundergläubige Bludenzer, lüsterne Montafoner, trogne Walser. Der Verfasser des Gedichtes ist nicht bekannt. Offenbar handelt es sich aber um einen Bewohner von Schlins, wie Dr. Tschaikner aus dem Text schliessen will. Von Rankweil bis ins Montafon werden darin in zahlreichen Versen Vorurteile und Charakteren beschrieben. Manche scheinen sich bis heute gehalten zu haben!

Damülser Wahlrecht. Auch erfährt man, dass man damals in Damüls schon wählte - und wie! Mit Spott wird dabei nicht gespart. So wird beispielsweise den Damülsern ein besonderes Wahlverfahren bei der Wahl ihres Bürgermeisters nachgesagt: Die Damülser würden - sozusagen als vorbereitenden Wahlakt - einander die Köpfe mit Milch bespritzen. Danach werden die Fliegen zur Abstimmung geladen: Der Damülser auf den sich dann die meisten Fliegen setzen, sei als Amann (= Bürgermeister) dann gewählt. Es werden wohl die größeren Bauern mit dem größeren Misthaufen gewesen sein, die da zum Amann mit den vom Misthaufen mitgebrachten Fliegen gewählt wurden.

Dr. Manfred Tschaikner. Dr. phil., geboren 1957 in Bludenz, Studium der Geschichte und Germanistik in Innsbruck. Lehrer an höheren Schulen in Innsbruck und Bludenz. Seit 2002 ist Manfred Tschaikner wissenschaftlicher Archivar am Vorarlberger Landesarchiv und lehrt auch an der Universität Wien.

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Donnerstag, 22. Juni 2017

[ #Bodensee ] Eine bunte artenreiche Bodenseelandschaft

"Blühender Bodensee" will am Bodensee eine reich strukturierte, blühende und artenreiche Landschaft. Die Startaktion ist längst (ab)gelaufen. Doch das Anliegen ist geblieben. 

Eine blütenreiche und insektenfreundliche Landschaft ist nicht nur ökologisch wertvoller. Sie bietet auch mehr Lebensqualität für uns Menschen und einen attraktiven Mehrwert für Naherholung und Tourismuswirtschaft. Das Projekt "Blühender Bodensee" will dazu beitragen, dass Besucher und Bewohner am Bodensee eine reich strukturierte, blühende und damit artenreiche Landschaft vorfinden.

Artenschutz fängt vor der Haustüre an. Durch die Ausräumung und Versiegelung der Landschaft gehen viele Arten unwiederbringlich verloren. Intensive Landwirtschaft, Pestizideinsatz und Monokulturen tun ihr übriges. Doch auch viele Klein- und Ziergärtner dulden keine biologische Artenvielfalt. Möglichkeiten und Maßnahmen, wie die Bodenseelandschaft wieder bunter und attraktiver gestaltet werden kann, gibt es mehr als genug. Blühende Landschaften müssen nicht teurer sein als Einheitsgrün - blühende Äcker nicht unrentabler als Monokulturen.

Netzwerk Blühender Bodensee. Die Broschüre Netzwerk Blühender Bodensee gibt Tipps und Hinweise, was Landwirte und Gärtner, Kommunen, Straßenbauämter, Unternehmer und Gartenbesitzer für eine bunte Bodenseelandschaft machen können. Der Flyer steht hier zum Download bereit. Wer es ganz genau wissen will, den verweisen die Projektoren auf Handlungsempfehlungen und praxisorientierten Merkblätter.

[ #Bizau ] Barfußweg - Wanderung Bizauer Moos


In den letzten Jahren hat der Bregenzerwald sein Wanderangebot konsequent optimiert. Die 2.000 Kilometer Wanderwege sind alle einheitlich und nach dem Vorarlberger Wanderwegekonzept beschildert. Themenwege - wie der Barfußweg in Bizau - werden dabei immer beliebter.


Blasenfrei. Aber auch für den Schulausflug kann der Barfußweg ein lohnenswertes Ziel sein. Immer mehr Schulen ghenen aus Raumspargründen dazu über, die Kinder den ganzen Tagen in ihren Straßenschuhen zu lassen, da sind manche - nicht nur die preiswerten Modelle - echte "Schweißer". Erholung für die Füße tut gut, die "Entschleunigung" allemal und endlich ein Schulausflug ohne Blasen.

Entschleunigung. Auf Vorarlbergs erstem Barfußweg mit natürlich gewachsenem Untergrund findet man Erholung vom reizüberfluteten Alltag. Entlang des Ulvenbachs im Bizauer Moos, einem Jahrtausende alten Hochmoor, wird das beinah in Vergessenheit geratene Barfußgehen auf 1,2 Kilometern über die verschiedensten Strukturen der Bodenoberfläche neu angeregt.

Mit allen Sinnen. Eine Wanderung am Barfußweg in Bizau macht nicht nur Aktiv-Kneippern, auch Kindern und Eltern, Schülern und Lehrern gleichermaßen Spaß. Mit bloßen Füßen durch das jahrtausendealte Hochmoor im Bizauer Obermoos zu spazieren, schärft die Wahrnehmung mit allen Sinnen. Beim Beginn des Barfußweges gibt es keine Parkplätze, automobile Wanderer stellen ihr Auto im Dorfzentrum von Bizau ab. Man folgt dem Wegweiser "Moosrundweg" und erreicht nach nur zehn Minuten Gehzeit in südlicher Richtung den Barfußweg.

Moos. Moos meint hier natürlich keinen "Moosweg" im heutigen Sprachverständnis, sondern sumpfig, oder feucht, denn der Gattungsname "Moos" (Althochdeutsch, mittelhochdeutsch "mos") für "Moor" oder "Sumpf", also als Bezeichnung sumpfiger Wiesen-, Streu-, Waldbodens, als feuchtes, sumpfiges Land ist bei uns nicht mehr in Gebrauch.

10.000 Jahre. Angekommen beim Barfußweg werden erst einmal Schuhe und Socken ausgezogen und entweder mit den Schuhbändern verknüpft und über die Schultern gehängt oder im Rucksack verstaut. Genüsslich spaziert man die Ulve bachaufwärts, die das Naturjuwel mit frei pendelndem Lauf durchfließt. Es geht über artenreiche Feuchtwiesen und stärker vernässte Niedermoosflächen an den Rand der Hochmoorweiten. Von Zeit zu Zeit wechselt der Weg von einem Ufer der Ulve zum anderen, die Barfußwanderer folgen dem Wegverlauf auf den unterschiedlich weichen, mitunter aber auch rauen und spröden Oberflächen, 10.000 Jahre Erdgeschichte unter den Füßen. Vom Gletscherrückzug in der Nacheiszeit bis zur einmaligen Gartenkultur in den Moosäckern spannt sich der bemerkenswerte Bogen auf dem Weg durchs Moos. Nach etwa einer Stunde Hin- und Rückweg kann man - durch die angenehme Erfahrung der Wanderung am Barfußweg gestärkt - in Bizau die Socken und Schuhe wieder anziehen.

PS: Vorarlberg Tourismus vergab für den Barfußweg in Bizau 2006 den Vorarlberger Tourismuspreis.



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[ #Vorarlberg ] Vom Radio Free Xiberg zum Radio Proton

Die Idee freier Medien war in Vorarlberg in bestimmten soziokulturellen Gruppen seit den 70er Jahren präsent. Immer wieder gab es Printmedien, die als frei bezeichnet werden konnten, genannt seien die Schülerzeitungen "Die Rübe" und "Maniok", weiters eine Zeitschrift, die außerhalb des schulischen Kontext herausgegeben wurde und eher dem Umfeld der Jugendzentren zuzuschreiben ist, nämlich "Alphorn", und schließlich "Sub - das magazin", ein Zeitungsprojekt des Vereines A.K.W. (Autonome Kultur- und Wohnwerkstatt), das seit 1995 erscheint. Allen anderen Versuchen, eine unabhängige Zeitschrift im Vorarlberger Medienwald zu platzieren, war ein äußerst kurzes Leben beschieden. Unter den Herausgebern der genannten Zeitungen finden sich Namen wie Hans-Peter Martin, Ehrenfried Natter, Reinhard Johler, Christian Zillner, Markus Barnay oder Stefan Sagmeister.

Anfang der 1990er Jahre im Umfeld von Bernhard Amann wurde schließlich die Idee des freien Radios angegangen. Dies führte zum Betrieb von bis zu fünf Piratensendern, jeweils eine Stunde wöchentlich. Die Piratenradios waren in allen vier politischen Bezirken tätig und agierten als unabhängige Gruppen. Aufgrund der Illegalität erfolgte jedenfalls die Niederschlagung der freien Piratenradios.

Proton - Webradio aus Vorarlberg - Sendestart 31.03.1999.  Proton - das freie Vorarlberger Radio ist ein freies, nicht kommerzielles Lokalradio. Bei Proton - das freie Radio arbeiten Menschen aus verschiedenen Generationen und Kulturen. Alle ModeratorInnen von Proton - das freie Radio arbeiten ehrenamtlich. Ihr Luxus ist, dass sie sagen dürfen, was ihnen auf der Zunge brennt, solange sie nicht gegen das Gesetz oder die Charta der Freien Radios (kein Sexismus, kein Faschismus, keine Anfeindung fremder Völker) verstoßen.

On Air und im World Wide Web. Proton - das freie Radio sendet in verschiedenen Sprachen, von Türkisch über Spanisch bis Kurdisch, und natürlich auch in deutscher Sprache und in Vorarlberger Dialekt. Damit sind wir eines der wichtigsten interkulturellen und internationalen Projekte der Region Vorarlberg. Seit dem Sendestart hat sich die technische Situation natürlich laufend verändert. Mit dem Internet hat sich auch die Beschränkung auf Sendelizenzen erledigt.

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Mittwoch, 21. Juni 2017

[ #Vorarlberg ] Vorarlbergisch für den Urlauber



Das Bemühen, sich den Gästen und den zugereisten Hinterdemarlberger heimische Sprache verständlich zu machen, ist löblich.

Auf der Homepage des Gemeindeamtes Dalaas / Wald am Arlberg (am Arlberg ist Gemeinde und Tourismusbüro fast immer dasselbe) findet sich ein knapper Kurs für "Vorarlbergisch für den Urlaub". Das Bemühen, sich den Gästen und den zugereisten Hinterdemarlberger heimische Sprache verständlich zu machen ist löblich.

Gsi-Seite. Doch dürfte dies angesichts der Urlauberkarawanen und der Sprach- und Definitionsmacht der Medien vielleicht zu spät kommen, aber immerhin wird liebevoll das Gsibergerische bewahrt, wie "Mörtel" Lugner seine Mausi auf Vorarlbergisch nennen würde: Statt Mausi hieße das "Müsle", eventuell auch Schätzle oder Wible.

Ostösterreicher - Innerösterreicher - Vorarlberger. Dass es in Vorarlberg auch für tagtägliche Produkte wie Kartoffeln oder Erdäpfel (Grumpara) andere Bezeichnungen gibt als in Hinterdemarlberg ist vielleicht der älteren Generation noch bekannt. Der Vorarlbergische Begriff wird dem innerösterreichischen hier gegenübergestellt.

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Sonntag, 18. Juni 2017

[ #Bregenzerwald ] Bregenzerach - Lebensader des Bregenzerwaldes

Die Bregenzerach als wichtiger Teil Vorarlbergs, gibt Identität und wirkt als Symbol für wertvollen Lebensraum. 

2005 fielen im Bregenzerwald die höchsten Niederschläge seit Beginn der Aufzeichnungen. Diese führten zu einem Hochwasser, wie es bisher noch nie beobachtet wurde.

Mit einem Einzugsgebiet von 830 km² und einer Länge 68,85 km (Stand 2012 lt. Land Vorarlberg) ist die Bregenzerach der wichtigste Gebirgsfluss im Norden Vorarlbergs. Sie entspringt an der Ostflanke der Mohnenfluh (Mohnensattel) oberhalb von Schröcken im Lechquellengebirge in 2300 Metern Höhe und entwässert mit ihren Zuflüssen den Nordteil des Lechquellengebirges, den Westteil der Allgäuer Alpen sowie große Teile des Bregenzerwaldgebirges in Richtung Nordwesten.
 

Der Fluss bildet zahlreiche Tobel, in einem tiefeingeschnittenen Engtal fließt er vom Hochtannberg an den Vorderwald, bildet im Unterlauf die südliche und westliche Stadtgrenze von Bregenz und mündet unweit des Klosters Mehrerau in den Bodensee.

Lebensader. Auch die Besiedelung des Bregenzerwalds orientiert sich an dem Fließgewässer: Nahezu alle Gemeinden des Bregenzerwalds liegen im Tal der Bregenzer Ach oder im Tal einer ihrer Nebenflüsse. Die Bregenzerwaldstraße folgt ab Egg im weitesten Teil ihres Verlaufs durch den Bregenzerwald dem Flusslauf. Von Bregenz bis Bezau orientierte sich zudem die Trasse der Bregenzerwaldbahn bis zu ihrer Stilllegung an dem Flusslauf. Die Bregenzerach ist damit Lebensader für die gesamte Region. Deshalb sind auch Fragen der Freizeit- und Erholungsnutzung wichtige Anliegen: Fischerei, Nutzung der Energie für Wasserkraftwerke, Badegewässer, Freizeitraum, etc. Nach etwa 68 km Flusslauf mündet die Bregenzer Ach als Gemeindegrenze zwischen der Landeshauptstadt Bregenz und der Marktgemeinde Hard in den Bodensee. Als wichtigste tributäre Zuflüsse sind die Rotach und die Weißach (mit Bolgenach) sowie die Subersach zu erwähnen.

Vorarlberg ist ein wasserreiches Land. Wasser ist auch unser einziger relevanter Bodenschatz. Die zahlreichen Gewässer sind wertvolle Lebensadern der Vorarlberger Landschaft, einzigartige Natur- und Erholungsräume. Der Schutz vor Hochwasser ist eine Grundlage für die Siedlungs- und Wirtschaftsentwicklung. Im August 2005 fielen im Bregenzerwald die höchsten Niederschläge seit Beginn der Aufzeichnungen. Diese führten zu einem Hochwasser, wie es bisher noch nie beobachtet wurde. Nach diesem Ereignis von 2005 wurde ein Bündel von Sofortmaßnahmen für den Schutz der Gemeinden entwickelt und größtenteils bereits umgesetzt.

Als Vorarbeiten wurde im Auftrag der Vorarlberger Landesregierung eine umfangreiche Dokumentation und Bewertung der Ursachen, Schäden und Auswirkungen für das gesamte Landesgebiet erstellt.

[Zeitreiseführer #Vorarlberg ]
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Land Vorarlberg: „Lebensader Bregenzerach – von Schoppernau nach Egg“

1. Vorwort 4
2. Einbettung des Projektes 5
2.1. Auszüge aus der „Wasserwirtschaftsstrategie des Landes Vorarlberg 2010“ 5
2.2. Leitsätze aus „Vision Rheintal, Fachteam Freiraum und Landschaft, Ergebnisse“ 6
2.3. Auszüge aus „Fließgewässer in Vorarlberg, Gewässerstrukturen  Erfassen – Bewerten – Darstellen“ 7
3. Die Bregenzerach im Wandel 8
3.1. Schoppernau 11
3.2. Au 14
3.3. Schnepfau 18
3.4. Mellau 21
3.5. Reuthe / Bezau 25
3.6. Andelsbuch / Schwarzenberg 29
3.7. Egg 34
4. Zugänglichkeit und Wege 38
4.1. Schoppernau 39
4.2. Au 39
4.3. Schnepfau 40
4.4. Mellau 40
4.5. Reuthe / Bezau 41
4.6. Andelsbuch / Schwarzenberg 41
4.7. Egg 42
5. Naherholungsnutzung der Bregenzerach aus Sicht der Gemeinden 43
5.1. Schoppernau 43
5.2. Au 44
5.3. Schnepfau 44
5.4. Mellau 45
5.5. Reuthe 46
5.6. Bezau 48
5.7. Andelsbuch 48
5.8. Schwarzenberg 49
5.9. Egg 50
6. Naherholungsnutzung der Bregenzerach aus Sicht von lokalen Institutionen / Interessensvertretungen 52
6.1. Gesundheit 52
6.2. Familienverband 54
6.3. Tourismus 55
6.4. Feuerwehr 57
6.5. Stromproduzent VKW 57
6.6. Fischerei 59
6.7. Ökologische Begleitung 60
6.8. Sicherheit 61
7. Zusammenfassung 64
8. Vorschlag einer Vision für die Lebensader Bregenzerach 66
9. Anhang 67
9.1. Kontaktierte Personen und Institutionen 67
9.2. Stellungnahme Hochwasserschutzprojekt Bregenzerach in Au 70

[ #Vorarlberg ] Alemannenmythos: Starke Alemannen - schwache Innerösterreicher


Das katholisch-konservative Lager schrieb im ausgehenden 19. Jhdt. die "Eigenständigkeit des Landes" auf seine Fahnen und setzte den "Alemannenmythos" als politisches Instrument ein.

Bereits Markus Barnay hat im Jahre 1988 seinem Buch den programmatischen Titel "Die Erfindung des Vorarlbergers" gegeben. Das katholisch-konservative Lager schrieb im ausgehenden 19. Jahrhundert die "Eigenständigkeit des Landes" auf seine Fahnen und setzte den "Alemannenmythos" als politisches Instrument ein. Alle Neuankömmlinge hatten als „Landfremde“ zunächst mit vorherrschenden ideologischen Grundmuster zu kämpfen: Seit dem 19. Jahrhundert setzte sich in Vorarlberg bei den herrschenden konservativen Eliten die Vorstellung vom eigenständigen, katholischen und „alemannischen Ländle“ durch. Die Ideologen dieses „Alemannen-Mythos“ schürten gezielt die Angst vor der„Überfremdung“ und setzten ihn zur politischen Machterhaltung und populistischen Stimmenmaximierung ein. Der völkische Populismus ist hier also keineswegs eine Erfindung der Gegenwart.

Die Inhalte ethnischer Selbstbeschreibung gehorchten auch nach 1945, bis in die Gegenwart, politischen und sozialen Interessen der regionalen Machteliten. Im Jahre 1985 veröffentlichte der Völkerrechtler Theodor Veiter (1907 – 1994), der vier Jahre zuvor in Feldkirch eine "Forschungsstelle für Nationalitätenrechte und Regionalismus" eingerichtet hatte, ein Buch mit dem Titel "Die Identität Vorarlbergs und der Vorarlberger". In diesem Werk fasste Veiter, der einst trotz seiner Mitgliedschaft bei der NSDAP im austrofaschistischen Staat Karriere gemacht hatte, seine prinzipiell völkischen Grundpositionen und die Grundthesen des vorherrschende Alemannen-Mythos noch einmal zusammen. 

Schwacher Innerösterreicher - starker Alemanne. In Bezug auf die ethnische Konsistenz der Vorarlberger Bevölkerung nach 1945 stellte Theodor Veiter "fest":
"Es hat sich in den Jahren seit 1945 gezeigt, dass diese Innerösterreicher (Anm. d. Red.: 'Innerösterreicher' waren die Arbeitsmigranten aus den anderen österreichischen Bundesländern jenseits des Arlbergs)  in Vorarlberg trotz ihrer beträchtlichen Zahl nicht nur voll integriert wurden, was ja eine Selbstverständlichkeit ist, sondern auch in stammlich/ethnisch/mundartlicher Hinsicht auch assimiliert worden sind. Die Assimilationskraft des Alemannen ist außerordentlich stark und der Alemanne ist andererseits für eine Assimilierung an andere Stammes- und Mundartgruppen des deutschen Volkes nahezu immun."
Johann-August-Malin-Gesellschaft. Die Johann-August-Malin-Gesellschaft macht auf ihrer Website Texte zugänglich, die ihr für die geschichtswissenschaftliche Diskussion in Vorarlberg wesentlich erscheinen und in Zusammenhang mit ihrem selbstgewählten Arbeitsbereich stehen. Darunter ist auch dieser Beitrag von Werner Bundschuh online bzw. als kostenfreies PDF zum Herunterladen.

Samstag, 17. Juni 2017

[ #Hohenems ] Balneum Emsianum: Die Badeordnung des Hohenemser Schwefelbades von 1678 digitalisiert online

1965 wurde das Hohenemser "Schwefelbad", das das "Balneum Emsianum" (balneum, lat. = Bad, Badeanstalt, Badeort) geschlossen, die Quelle durch einen Parkplatz verschüttet. 

Dabei bestand das Schwefelbad über ein halbes Jahrtausend und galt als frühe Einrichtung des "Vorarlberger" Fremdenverkehrs. Eine 23seitige Broschüre aus dem Jahre 1678  - gedruckt bei der Hohenemser Druckerei Bartholomäus Schnell (der Jüngere) steht digitalisiert bei der Österreichischen Nationalbibliothek online.

Schwefelquelle. Die Hohenemser Schwefelquelle, etwa 2 km nördlich des Ortskernes besteht mindestens seit 1430. Es erfreute sich bereits im 15. Jahrhundert und ganze 500 Jahrhunderte lang  bis zum Ende des 19. Jahrhunderts großer Beliebtheit.
(1489) ... belehnt Hans von Ems als Ältesten für sich, seine Brüder und Vettern, nachdem frühere Briefe verlegt worden sind, aufs Neue mit der alten Ems, dem Vorhof im Flecken zu Ems samt allen dazugehörigen Freiheiten und Rechten, mit dem Blutbann in Ems und Dornbirn, mit der Neuen Burg zu Ems in der Reute, dem Burgstall Glopper und 60 Pfund Heller jährlicher Gült von der genannten Reute als rechtem Burglehen, mit den Silber- und Bleierzen nebst Bergwerken bei Ems, dem Schwefelbad zu Ems, den Schildhuben im Bregenzerwald sowie mit allen Gnaden, Freiheiten, Gerichten, Zwingen, Bännen, Buschen, "Gejaiden", Mühlen, Mühlstätten, Fischenzen, Hölzern, Nutzen und Zugehören, welche sie vom Reich zu Lehen haben, und trägt ihm auf, bis nächsten Laurentiustag dem Grafen Konrad von Tübingen für ihn und das Reich die vorgeschriebenen Gelübde und Eide zu leisten.
Textilindustrie. Der aus der jüdischen Hohenemser Community stammende Stoffhändler Josef Levi kaufte das Bad um 1800 für die Errichtung einer Baumwollspinnerei und gab mit dieser rund 40 Arbeitnehmern Brot und Arbeit. Das ursprüngliche Badhaus musste damit zwar 1841 einer Baumwollspinnerei weichen, gleichzeitig wurde aber ein neues Badhaus errichtet. Seit 1813 nannte sich Levi Rosenthal. Seine Söhne Philipp (1801–1859) und Josef Rosenthal (1805–1862), begründeten die Firma 'Gebrüder Rosenthal'. Sie galten als humane Fabrikherren, vor allem war anerkannt, dass sie praktisch nur nichtjüdische Fabrikarbeiterinnen und Fabrikarbeiter beschäftigten. Damit beginnt eine Hohenemser Industriegeschichte, die erst mit der Firma Otten ihren Ausgang fand.

Fremdenverkehr. Das Schwefelbad wurde schon unter den Grafen von Ems als eine "Fremdenverkehrsinitiative" und Geldquelle verstanden. Dafür spricht auch die erwähnte Badeordnung. Das Schwefelwasser wurde ursprünglich in einem Heizhaus erwärmt und dann von Frauen ("Badschütterinnen") in Kübeln in die Badekabinen getragen und in die hölzernen Badewannen geschüttet.

Das "Handbuch der Statistik der europäischen Staaten: Zum Gebrauche bei Vorlesungen und zur Selbstbelehrung, Band 2" aus dem Jahre 1811 erwähnt das Schwefelbad mit folgenden Worten: "In Schwaben nimmt sich besonders das Schwefelbad in dem Flecken Hohenems durch seine Güte aus". Und von dem Bad in Hohenems - wie ganz Vorarlberg damals bairisch - heißt es: "Bei der großen Zahl heilsamer Bäder hat das Königreich (Baiern) doch nur zwei: diejenigen zu Gastein im Salzburgischen, und zu Hohenems, welche auswärtige Badegäste in größerer Zahl an sich ziehen, und dadurch fremdes Geld in das Land bringen."

Den Badekuren wurde nachgesagt, dass sie Rheuma und Hautkrankheiten heilen und das Quellwasser wird auch getrunken und nicht nur äußerlich oder Badekuren angewendet. Die akratische Schwefelquelle (akratisch: mineralarme Quelle mit Gesamtmineralisation < 1 g/kg Wasser) die mit einer gleichbleibenden Temperatur von 15,6 °C einen Schwefelgehalt von 10,66 mg/l lieferte wurde in den 1990er-Jahren beim Ausbau eines Parkplatzes verschüttet.

Erste Brauerei. Schon 1788 wurde durch Alex Konrad Mayer auch auf eine besondere "innere Anwendung" geachtet. Er gründete im (Gasthof) Schwefelbad die erste Hohenemser Brauerei.

Erste Druckerei. Die Gründung der ersten Buchdruckerei Vorarlbergs durch Bartholomäus Schnell 1616 unter Graf Kaspar von Hohenems ist ebenfalls ein Hohenemser Spezifikum. Daher erfreulich, dass die gegenständliche Publikation auch ausgerechnet dort gedruckt wurde und somit ein weiteres Dokument Hohenemser Wirtschafts- und Kulturgeschichte ist.

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[ #Vorarlberg ] Theodor Veiter - Kontinuitäten deutschnationaler Katholiken 1930-1965

Brigitte Behal behandelt in ihrer zeitgeschichtlichen Dissertation auch einen Akteur der jüngeren Vorarlberger Ideologie-Geschichte: Theodor Veiter, den in Feldkirch wirkenden Juristen und Publizisten, der eine Weile lang von einer großen Angst getrieben wurde - dass die Vorarlberger Geschichte "aus linker Sicht" umgeschrieben werden könnte.

Nach 1945 gehörte er zu den entschiedensten Vertretern einer "alemannistischen" Geschichtsschreibung in Vorarlberg - und folglich zu den erbittertsten Gegnern einer kritischen Sicht auf eben diese Geschichtsschreibung: der Feldkircher Jurist und Publizist Theodor Veiter  (* 22. September 1907 München; † 23. Oktober 1994 Feldkirch) .

Die Tätigkeit der Johann-August-Malin-Gesellschaft erregte seinen besonderen Widerwillen. Sie widmete ihm, nach heftigen Angriffen seinerseits, 1983 eine Broschüre (siehe Download), nach deren Erscheinen die Angriffe Veiters schlagartig verstummten. Nun liegt in einer detailliert recherchierten Studie umfangreiches Material zu Veiters gesamtem Wirken und zu seinem ideologischen Umfeld vor - nämlich zu jenem Milieu der "deutschen Katholiken", die sich auch im katholischen österreichischen "Ständestaat" die Option für die Nationalsozialisten offenhalten wollten und nach der "Machtergreifung" auf eine angemessene Karriere hofften. Dabei spielte schon bis dahin das Netzwerk der Alt-Stellaner (Stella Matutina, Feldkirch), zu denen die Austrofaschisten Kurt von Schuschnigg und der Vorarlberger Landeshauptmann Otto Ender zählten, für Veiters Fortkommen eine entscheidende Rolle. Nach 1945 lebten die alten Netzwerke weiter - und es überrascht keineswegs, dass Theodor Veiter im Nachkriegs-Vorarlberg, in dem ehemalige NS-Sympathisanten wie VN-Chefredakteur Franz Ortner und Landesamtsdirektor Elmar Grabherr den ideologischen Ton angaben, seinen Platz fand.

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Donnerstag, 15. Juni 2017

[ #Hard ] Bodenlebende Wirbellose am "Grünen Damm" in Hard

Der Bereich des "Grünen Damms" liegt in der Marktgemeinde Hard am östlichen Ufer des Bodensees. 

Das Ufer um den "Grünen Damm" bei Hard wird gerne als "naturfern" betrachtet, denn er ist ein vom Menschen geschaffener Damm, also Natur aus zweiter Hand, der das Harder Binnenbecken und die Harder Häfen und Badestellen vor Wellenschlag und Strömungen des offenen Bodensees schützt. Besonders soll er die fortschreitende Verlandung des Uferbereichs verhindern.

Grüner Damm.
Direkt am "Grünen Damm" mündet die Dornbirnerach in den Bodensee, welche durch ihre anliegende Kläranlage eine hohe Nährstofffracht hat. Auch die Mündung des Alpenrheins und der Bregenzerach liegen in unmittelbarer Umgebung. Die Bregenzer Bucht ist somit durch die vielen nahe liegenden Zuflüsse nährstoffreicher als andere Gebiete des Sees. Die Nutzung erfolgt über die bereits erwähnte Schutzfunktion hauptsächlich durch Freizeitaktivitäten, als Naherholungsgebiet zum Baden, Spazieren und anderen Outdooraktivitäten.

Wirbellose.
In der vorliegenden Arbeit wird die Artenzusammensetzung der bodenlebenden Wirbellosen am "Grünen Damm" näher betrachtet. Als Wirbellose bezeichnet man alle Tiere ohne eine Wirbelsäule. Zu dieser Gruppe von Lebewesen gehört die Mehrzahl aller bekannten Tierarten. Sie werden der Verwandtschaftsgruppe der Wirbeltiere gegenüber gestellt. Den Wirbeltieren wird beim Arten-, Natur- und Lebensraumschutz medial und im Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit in der Regel viel mehr Aufmerksamkeit und Schutz geschenkt als den wirbellosen Tieren. Krebse, Muscheln, Garnelen oder "Würmer" haben es in dieser Beziehung wesentlich schwerer.

Neozoa.
Da in der Vergangenheit vermehrt gebietsfremde Arten durch menschliche Aktivitäten in den Bodensee eingeschleppt und u.a. auch am österreichischen Ufer entdeckt wurden, legt diese Arbeit einen besonderen Schwerpunkt auf dieses Phänomen. Bei früheren Beobachtungen zeigte sich, dass am "Grünen Damm" eine andere Artenzusammensetzung gefunden wird als an anderen Stellen des Bodensees. Dies sind vor allem sogenannte "Teicharten", also an einen höheren Nährstoffgehalt, wärmere Temperaturen oder ruhigeres Wasser angepasste Lebensformen.

[Zeitreiseführer #Vorarlberg ]⇒

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1 EINLEITUNG 3

2 MAKROZOOBENTHOS DES GRÜNEN DAMMS 5
2.1 Methodik 5
2.1.1 Probeflächen 5
2.1.2 Freilandarbeit 6
2.2 Ergebnisse und Diskussion 7
2.2.1 Umweltparameter 7
2.2.2 MZB am "Grünen Damm" 7

3 NEOZOA 9
3.1 Was sind Neozoa? 9
3.2 Situation des Bodensees 10
3.3 Erstfunde in der Bregenzer Bucht 11
3.3.1 Limnomysis benedeni 11
3.3.2 Katamysis warpachowskyi 12
3.3.3 Crangonyx pseudogracilis 13

4 DISKUSSION 14
4.1 Besonderheiten des "Grünen Damms" 14
4.2 Einschleppwege der Neozoa 15
4.3 Gegenmaßnahmen 16

5 DANKSAGUNGEN 17
6 LITERATUR 18

Mittwoch, 14. Juni 2017

[ #Hohenems ] Regina Ullmann (*14.12.1884-†6.1.1961)

Aus der bis ins späte 19. Jahrhundert blühenden jüdischen Gemeinde hier in Hohenems gingen eine Reihe von Schriftstellern hervor: So stammte die Mutter von Stefan Zweig aus der Hohenemser Familie Brettauer, der Vater von Jean Améry nannte sich noch Maier und war ein Hohenemser Jude, und die Schweizer Erzählerin Regina Ullmann wurde in St. Gallen geboren, wohin ihr Vater, ein Arzt aus Hohenems, ausgewandert war.

Rega. Regina Ullmann, auch Rega genannt (* 14. Dezember 1884 in St. Gallen, Schweiz; † 6. Januar 1961 in Ebersberg, Oberbayern) wird 1884 im schweizerischen St. Gallen geboren, Ihre Kindheit erscheint - das sollte man heute angesichts tatsächlicher oder nur vermeintlicher "Problemkinder"  auch zu würdigen wissen - nicht in die Zeit zu passen. In allem wirkt sie verlangsamt. Das Lernen scheint ihr schwer zu fallen und ihre Motorik ist langsam, so als stünde ihr "etwas im Wege". Das schreibt sie später wie über sich selbst in der Erzählung "Von einem alten Wirtshausschild". Sie spricht wenig, schließlich nur in stockenden, stotternden Sätzen. Aus mütterlicher Fürsorge wird sie deshalb in eine Privatschule für "gehemmte" Kinder geschickt.

1902 - nach dem Tod ihres Vaters zog Regina Ullmann mit ihrer Mutter von St. Gallen nach München. Dank ihres dichterischen Talents und ihrer eindrucksvollen Vortragskunst fand sie Zugang zu den verschiedensten Künstlerkreisen im Schwabing der Jahrhundertwende.


Als sie dann nämlich schreiben kann, verfasst sie beachtliche Gedichte und Prosa, so dass bereits 1907 ihr erstes Buch, die "Feldpredigt", veröffentlicht wird. Nach Gedichten (1919) erscheint 1921 dann der Erzählungsband "Die Landstraße". Ihre Prosa der fürsorglichen Beobachtung des Abseitigen, verbunden mit der Witterung für drohende Katastrophen und bildstarke Sinnlichkeit, wurde vielfach mit jener Robert Walsers verglichen. Die Literatur-Redaktion von "Die Zeit - Online" nennt Regina Ullmann, die geheimnisvollste und kühnste Schweizer Erzählerin des 20. Jahrhunderts.

Regina Ullmann: Erwachen

Ich lag in dir noch unverzeigt,
du tiefer Felsen in einer Nacht;
so kalt wie Stein und trostesarm.

Da fühlt ich plötzlich,
wie der Tag sich an dem Sein im Licht verfing
und liebewarm und flammenhaft
sich an die kleinsten Dinge hing.

Da war ich wach.
Doch war mir noch ein Silberklang,
der sich an einem Zimbal schlug,
erhörbar,  und meines Engels Morgengang.


Zeitgenossen.
Es gibt reichlich Bewunderung von Zeitgenossen für Ullmanns unverwechselbaren Stil. Hermann Hesse schwärmte, es dufte in ihrer Dichtung nach Brot und Honig, nach Kerze und Weihrauch. Zu den Bewunderern zählten  auch Thomas Mann und Robert Musil. Rainer Maria Rilke, ein aktiver Förderer der Dichterin, nannte die "Feldpredigt" etwas "Schönes, Wahres, Einfaches" und gab damit eine Einschätzung, die auf das Gesamtwerk zutrifft. In einem Vorwort sagt er über "Rega": "Ihre Seele ist wie ein Blindgeborener, den ein Seher erzogen hat."

Ungeachtet ihrer literarischen Erfolge in den 1920er Jahren war sie immer wieder depressiv und bekam dann Hilfe von Freunden und Gönnern. So verschaffte ihr Rilke den Kontakt zum Inselverlag, Wilhelm Hauenstein ebnete den Weg zu Zeitungen und Zeitschriften.

Deutschland - hin und zurück.
Unglückliche Lieben und zwei dramatische Geburten prägten zunächst ihr Leben und sie schrieb in dieser Zeit die Dichtung "Feldpredigt" und das Buch "Von der Erde des Lebens". Dem religiösen Sektierer Ludwig Derleth zuliebe wechselte sie vom jüdischen zum katholischen Glauben. Regina Ullmanns Leben war von Rastlosigkeit geprägt und sie zog immer wieder um: Burghausen, Mariabrunn bei Dachau und wieder zurück nach München.

Als ihre Tochter Gerda den Feldkirchner (Oberbayern) Gärtnermeister Hans Kahl heiratete, lebte sie immer wieder für längere Zeit bei der Tochter und ihren Enkelkindern in Feldkirchen. Im Nationalsozialismus wurde Regina Ulmann als jüdische Autorin verfolgt und verließ mit ihrer betagten Mutter Deutschland und floh nach Österreich und in die Schweiz. 20 Jahre lang lebte sie wieder in St. Gallen. Erst 1959 kehrte sie endgültig nach Deutschland zurück. Ihre Tochter Camilla pflegte damals die verarmte und schwerkranke Regina Ullmann in Eglharting bei Kirchseeon. Am 6. Januar 1961 starb Regina Ullmann im Ebersberger Krankenhaus. Begraben wurde sie in Feldkirchen.

Auszeichnungen/Ehrungen/Preise u.a.
Ehrengabe der Museumsgesellschaft St. Gallen (1944). Kulturpreis der Stadt St. Gallen (1954). Ab 1949 außerordentliches Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, München, bis 1935 Mitglied im Deutschen Schriftstellerverband.

Werke u.a. Feldpredigt, Einakter (1910). Von der Erde des Lebens, Kurzprosa (1910). Gedichte (1919, Insel). Die Landstrasse, Erzählungen (1921/2007, Nagel & Kimche). Vom Brot der Stillen, Erzählungen (1932). Der Apfel in der Kirche und andere Geschichten (1932, Herder). Der Engelskranz, Erzählungen (1942, Benzinger). Schwarze Kerze, Erzählungen (1954, Benzinger). Ausgewählte Erzählungen (1979, Suhrkamp, hrsg. und mit einem Nachwort von Friedhelm Kemp). Ich bin den Umweg statt den Weg gegangen, Lesebuch (2000, Huber).

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[ #Vorarlberg ] Alters- und Sozialstruktur der NSDAP in Tirol und Vorarlberg

Eröffnung der ersten Nachwuchsführerschule der Ostmark im Gebiet Tirol, und zwar in Vorarlberg, im November 1938
Eine zentrale Rolle in der Forschung zur NS-Geschichte nimmt die Frage nach der sozialen und regionalen Zusammensetzung der NSDAP ein. Dies ist insofern von Bedeutung, als es der NSDAP ab 1932 in Österreich gelang, von einer bis dahin eher berufsspezifischen Gruppierung zu einer Massenpartei zu werden.


Das "Ausbürgerungsverzeichnis" von 1939 gilt als wichtige Quelle zur Ermittlung der regionalen und sozialen Herkunft "illegaler Nationalsozialisten" in Österreich zwischen 1933 und 1938. Mit dem Verbot der NSDAP in Österreich (1933) fehlen Mitgliederverzeichnisse, mittels derer die Rekrutierung der Parteigenoss/innen nachvollzogen werden könnte. Eine "Ersatzquelle" dafür könnte das mehr als 10.000 Personen umfassende "Ausbürgerungsverzeichnis" sein, das alle Personen enthält, denen im Sinne des Verbotsgesetzes die Staatsbürgerschaft aberkannt worden ist.

Dr. Wolfgang Meixner. Univ.-Ass. am Institut für Geschichte der Universität Innsbruck, geboren 1961 in Jenbach (Tirol); Studium der Volkskunde/Europäische Ethnologie und Sozialgeschichte an der Universität Innsbruck; Mag. phil. 1989; Dr. phil. ("Aspekte des Sozialprofils österreichischer Unternehmer im 19. Jahrhundert: regionale und soziale Mobilität") 2001; Div. Aufsätze und Beiträge zur NS-Zeit in Österreich. Einschlägig zum geplanten Referat: Zwischen Legalität und Illegalität. Zur Mitgliederentwicklung, Alters- und Sozialstruktur der NSDAP in Tirol und Vorarlberg vor 1938 (gem. mit Thomas Albrich), in: Zeitgeschichte 22 (1995), 149-187.

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