Mittwoch, 17. Februar 2016

[ #Dornbirn ] Herta-Maria Witzemann - in Dornbirn geborene Stararchitektin

In Vorarlberg vergessen?

Herta-Maria Witzemann wurde am 10. Dezember 1918 in Dornbirn als Tochter von Johann (11.12.1879) und Klara Witzemann (geb. Rhomberg, 12.8.1884) geboren. Ursprünglich stammten die Witzemanns aus Hohenems. Der Vater war Realschullehrer in Reutlingen, wohin seine Familie mit ihm verzogen ist. Dort ging Herta-Maria Witzemann von 1924 bis 1937 in die Grundschule und das Realgymnasium. Ungewöhnlich auch für eine Frau damals, dass sie ihr Studium erst nach einem Praktikum bei einem Schreiner aufnahm.

Kunstgewerbeschule Wien. Auch Herta-Maria Witzemann (*1918 in Dornbirn / † 1999 in Ludwigsburg/D) hatte wie die durch die Frankfurter Küche berühmt gewordene Margarete Schütte-Lihotzky an der Kunstgewerbeschule in Wien, aus der die heutige Universität für angewandte Kunst Wien hervorgegangen ist, studiert. Freilich in anderen Zeiten. Trotz Anfeindungen durch den Nationalsozialismus lehrte dort noch Oswald Haerdtl. Margarete Schütte-Lihotzky und Oswald Haerdtl, waren u.a. im "Roten Wien" an der Werkbundsiedlung beteiligt. Herta-Maria Witzemann war nach ihrem Diplom Assistentin in der Fachklasse von Haerdtl in Wien und Mitarbeiterin im Atelier Haerdtls.

Haerdtl gestaltete übrigens die Räume von Bundeskanzler Leopold Figl am Ballhausplatz und die aus Dornbirn stammende Innenarchitektin richtete später (1963) dem deutschen Bundeskanzler Erhard seinen Kanzlerbungalow ein und leitete 1967 den Umbau. Auch dem saudiarabischen König verschönerte sie seinen Palast. Zu ihren Werken gehören die Raumgestaltung der Rathäuser in Reutlingen, Pforzheim, Gerlingen, Bietigheim, Dürrheim und St. Georgen, die Rundfunk- und Fernsehstudios für den Süddeutschen Rundfunk in Stuttgart, die Kurhäuser der Bäder Krozingen, Dürrheim und Buchau, etliche Verwaltungsgebäude, das Spielkasino und Kurhaus Baden-Baden, das Wilhelmspalais, das Neue Schloss und der Landtag von Baden-Württemberg in Stuttgart, die Restaurants des Stuttgarter und Mannheimer Fernsehturms, ...


Starke Frau. Die gebürtige Dornbirnerin avancierte zur Stareinrichterin, Von ihren Fans wird sie gern mit ihrem Leitsatz, „man muss einem Raum dienen können“ zitiert. Bereits 1948 war sie selbstständig. Ab 1952 Professorin für Möbelbau, avancierte sie in den 1950er Jahren zu einer beachteten Persönlichkeit mit Bedeutung über Deutschlands Grenzen hinaus. 1957 erhielt sie eine Silbermedaille auf der Triennale in Mailand, damals die wichtigste internationale Designschau. Klassisch ist der von ihr entworfene runde Bistrotisch, der bis heute in Produktion ist und den wir alle aus vielerlei Kaffeehäusern kennen.

Ihrer Initiative ist auch die Einführung des Diplomabschlusses für Innenarchitekten an der Stuttgarter Kunstakademie zu verdanken. Bis dahin gab es ein solches an keiner Hochschule Deutschlands. Auch wenn ihre Karriere so leichtfüßig klingt, immerhin war sie gar Präsidentin des Bundes Deutscher Innenarchitekten, so hat sie sich als Frau ihr Selbstbewusstsein erst erkämpfen müssen, denn, so bedauerte sie, „wir Mädchen haben davon in der Kindheit viel zu wenig mitbekommen“.

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