Dienstag, 14. März 2017

[ #Vorarlberg ] Der Liberalismus im nicht-urbanen Vorarlberg (1830 - 1914)


Der Kampf zwischen Liberalismus und seinem ultramontanen Widerpart in Form eines christlichsozialen Klerikalismus bestimmte Vorarlbergs Politik seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert noch bis in das ausgehende 20. Jahrhundert. 

Die sichtbaren Zeichen in Form von Zensur und Bevormundung sind erst mit der Unkontrollierbarkeit der digitalen Medien verschwunden. Die ultramontane Reform- und Lernverweigerung in der Politik löst sich hingegen nur zäh, zäher als unter den Klerikern selber.

Fortschritt wider Rom. Der liberale Widerpart war in der „Fortschrittspartei“ organisiert, später noch durch die „Deutschfreisinnigen“ repräsentiert, schließlich in der Sozialdemokratie, welche offen oder still häufig mit den Liberalen gegen den Ultramontanismus koalierten.  Liberale wie Sozialdemokraten wurden von den Konservativen und der katholischen Kirche wiederum als „Abschaum der der Menschheit“ dämonisiert. Trotzdem hatten die liberalen Ideen ihrerseits eine Anziehungskraft die über die urbanen Räume hinaus bis in die Täler sichtbar wurde. Die Verbreitung liberaler Ideen erfolgte vor allem durch die „Feldkircher Zeitung“. Die ländlichen, nicht-urbanen Räume waren also keineswegs eine Terra incognita für den Liberalismus, dort umsomehr nicht, wo die konservativen Kräfte jedweden Fortschritt und jede ökonomische Selbstbestimmung zu vereiteln suchten und damit selber den Widerstand provozierten.

Terra incognita. Die nicht-urbanen Regionen Vorarlbergs, lassen sich im Wesentlichen durch fünf Kategorien definieren: politisch-administrativ, wirtschaftlich, infrastrukturell, geographisch und kulturell. Selbst in modernen Definitionen wird auch das demographische Element noch hinzu gefügt. Dieses enthält in sich jedoch eine gewisse Problematik, da es ausgesprochen variabel ist. Zwar ist die „Stadt“ („urbs“) per se als verdichteter Lebensraum definiert, ausserhalb ihrer bestimmen sich jedoch nicht allein ländliche Gebiete durch eine „geringe Bevölkerungsdichte“. Im Vorarlberg des 19. Jahrhunderts war der ländliche Raum von Ab- und Auswanderung betroffen, während die ursprünglich ländlichen Industriegebiete, wie vor allem natürlich der Walgau, während dieser Epoche aufgrund ihrer infrastrukturellen Erschliessung zum urbanen Raum zu zählen sind. Orte wie Frastanz, Nenzing oder Nüziders, einmal ganz abgesehen von Rheintaler Gemeinden wie Rankweil, standen damals in puncto Urbanität formell städtischen Gemeinwesen wie Bludenz in nichts nach.

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 Vorwort 7
1. Einleitung 10
 1.1. Bestimmung des Begriffs „nicht-urbaner Liberalismus“ 10
 1.1.1. Der aufklärerische Liberalismus 10
 1.1.2. Der politische Liberalismus 11
 1.1.3. Der wirtschaftliche Liberalismus  14
 1.1.4. Der soziale Liberalismus 15
 1.2. Historische Einordnung der liberalen Bewegung im nicht-urbanen Vorarlberg 16
 1.3. Definition des Begriffs „nicht-urban“ 19
 1.4. Der Liberalismus im nicht-urbanen Vorarlberg: Fragestellungen  24
2. Der Liberalismus im Montafon 25
 2.1. Personen  25
 2.1.1. Bonifaz und Hermann Sander 25
 2.1.2. Johann Josef Zudrell 27
 2.1.3. Franz Josef Vonbun 29
 2.1.4. Josef Durig 30
 2.1.5. Johann Baptist Biedermann  32
 2.1.6. Heinrich, Robert und Wilhelm Mayer 33
 2.1.7. Hans Barbisch 34
 2.1.8. Eduard Fleisch 34
 2.1.9. Johann Wiederin 36
 2.1.10. Johann Bitschnau  37
 2.2. Institutionen 38
 2.2.1. Die Landtagsabgeordneten 38
 2.2.2. Die Vereine 42
 2.2.3. Die Gastwirte 42
 2.2.4. Die Schule  43
 2.2.5. Die Unternehmer 45
 2.3. Konfl ikte  46
 2.3.1. Persönliche Konfl ikte  46
 2.3.2. Politische Konfl ikte 47
 2.3.3. Ökonomische Konfl ikte  50
 2.3.4. Religiöse Konfl ikte 51
 2.4. Charakterzüge des Montafoner Liberalismus 523. Der Liberalismus im Bregenzerwald 56
 3.1. Personen  56
 3.1.1. Franz Michael Felder und sein Kreis  56
 3.1.1.1. Franz Michael Felder und sein Kreis: 1839 bis 1861 57
 3.1.1.2. Franz Michael Felder und sein Kreis: 1861 bis 1869 62
 3.1.1.3. Franz Michael Felders Beziehung zu Rudolf Hildebrand  69
 3.1.2. Gallus Moosbrugger  71
 3.1.3. Franz Xaver Moosmann  74
 3.1.4. Johann Konrad Bechter  76
 3.1.5. Andreas Fetz  79
 3.2. Institutionen 80
 3.2.1. Die Landtagsabgeordneten 80
 3.2.2. Die Schule  84
 3.2.3. Vereine  87
 3.3. Konfl ikte  93
 3.3.1. Persönliche Konfl ikte  93
 3.3.2. Religiöse Konfl ikte 95
 3.3.3. Politische Konfl ikte 96
 3.3.4. Wirtschaftliche und soziale Konfl ikte 97
 3.3.5. Die Tagebücher des Kreishauptmanns Ebner 99
4. Der Liberalismus in den Walsertälern und auf dem Tannberg 104
 4.1. Personen  104
 4.1.1. Besonderheiten des Tannbergs und des Kleinwalsertals  105
 4.1.2. Die liberalen Reformer des Kleinwalsertals und des Tannbergs  107
 4.1.3. Die anti-kirchliche Opposition im Großen Walsertal 114
 4.2. Institutionen 119
 4.2.1. Die Schule  119
 4.2.2. Politische Behörden  123
 4.2.3. Vereine und Genossenschaften 123
 4.2.4. Gastwirte 124
 4.3. Konflikte  126
5. Der Liberalismus im Klostertal 129
 5.1. Personen  129
 5.2. Institutionen 132
 5.3. Konflikte  136
6. Exkurs: Die Gemeindewahlen nach dem Ende der liberalen Ära im Jahr 1870 139
7. Ergebnisse  143

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